Malfono Sabri Atman im Assyrischen Mesopotamien Verein Augsburg

„Das Kloster Mor Gabriel ist das wichtigste Wahrzeichen der Assyrer“

Der Assyrische Mesopotamien Verein Augsburg e. V. durfte am 01.05.2010 einen ehrenwerten Gast zu einem Vortrag begrüßen. Dieser war kein anderer als der anerkannte Malfono Sabri Atman vom Seyfo Center. Der Seyfo-Experte hielt einen Vortrag über den Völkermord von 1915 an den Assyrern (Suryoye), Armeniern und Pontos-Griechen im damaligen Osmanischen Reich. Dabei ging er insbesondere auf die Entwicklungen dieses, für die Türkei, "Tabuthema" ein. Nach dem Vortrag hatte bethnahrin.de die Möglichkeit ein Interview mit Malfono Sabri zu führen. Ein konkreter Bericht sowie Videoausschnitte des Vortrages kommen ebenfalls bald online.

bethnahrin.de: Malfono, Du bist von New York nach Schweden geflogen, von dort aus nach Brüssel. Dort wurde eine Konferenz im EU Parlament gehalten, in der die Rechte der Assyrer (Suryoye) in der Türkei behandelt wurden. Kannst du uns über den Verlauf etwas berichten?

Sabri Atman: Nach 95 Jahren und den positiven Ereignissen in Schweden, ist dies ein historischer Schritt gewesen. Nach der Anerkennung des Völkermords (Seyfo) von 1915 durch das schwedische Parlament wollten wir, dass weitere Staaten und Länder den Genozid an den Assyrern (Suryoye), Armeniern und Pontos-Griechen anerkennen. Daher wurde eine Konferenz im EU-Parlament gehalten, dessen Organisatoren das Seyfo Center und die Assyrische Demokratische Organisation (ADO) mit Unterstützung der Assyrischen Föderationen in Europa waren.

Die Konferenz ist sehr positiv gelaufen, zumal auch Redner aus verschiedenen Ländern wie etwa Schweden, Türkei, Niederlande, Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) anwesend waren. Das Interesse war so groß, dass viele Besucher im Konferenzraum kein Sitzplatz mehr erhalten konnten. In der Konferenz wurden, wie du schon erwähnt hattest, die Rechte der Assyrer in der Türkei behandelt, vor allen die Seyfo-Frage und die Mor Gabriel Problematik.

Zeynep Tozduman, Menschrechtsaktivistin aus Izmir (Türkei), hielt eine ergreifende Rede, in der sie sich als Türkin an dem Assyrischen Volke für die Geschehnisse von 1915 entschuldigte. Ihrer Meinung nach muss auch die Problematik um das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel gestoppt werden. Außerdem ist Sie der Auffassung, dass die Rechte der Assyrischen Minderheit in der Türkei noch mehr in die Verfassung der türkischen Republik miteinbezogen und diese eventuell geändert werden muss.

bethnahrin.de: Bist Du der Ansicht, dass die Mor Gabriel-Problematik mit dem sehr intensiven Engagement für die Anerkennung des Seyfos zusammenhängt?

Sabri Atman: Das kann ich leider nicht beantworten, da ich mir nicht sicher bin. Jedoch weiß ich eines. Das Kloster Mor Gabriel ist das wichtigste Wahrzeichen der Assyrer. Es steht für Hoffnung, Identität, Kultur und stellt eine Brücke zwischen den Assyrern in unserer Heimat Turabdin und der Diaspora dar. Sollte diese Brücke zerstört werden, werden wir einiges leider verlieren.

bethnahrin.de: Danke für diese deutlichen Worte. Kommen wir nun wieder auf den Seyfo zurück. Was sind die nächsten Schritte auf diesem steinigen und langen Weg.

Sabri Atman: Die Arbeit für die Anerkennung des Völkermordes von 1915 vergleiche Ich sehr oft mit einem Marathon. Ich werde sehr bald Vorträge in Gießen, Wien, Los Angeles, Toronto, in Griechenland, Jerewan und Sydney halten. Bei letzteren beiden findet außerdem die Errichtung von Denkmälern für die Opfer des Seyfos statt, denen Ich beiwohnen werde.
In fünf Jahren haben wir den 100. Gedenktag des Völkermordes. Wie bereits erwähnt, Schweden ist nun das erste Land, das den Seyfo anerkennt hat. Wir wollen jedoch, dass noch mehr Länder diesen wichtigen Schritt gehen.

bethnahrin.de: Taudi Malfono. Wir bedanken uns im Namen des Mesopotamien Vereins Augsburg e. V., dass du dir für den heutigen Vortrag und das dazugehörige Interview Zeit genommen hast und wünschen dir alles Gute für die bevorstehende Arbeit.

Sabri Atman: Taudi Alchustene.

 

 

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