Pressemitteilung des ZAVD

Zum 95-jährigen Gedenktag an den Völkermord (Seyfo)

Vor 95 Jahren fielen auf dem Gebiet der heutigen Türkei etwa 2,5 Millionen unschuldige Frauen, Männer und Kinder zum Opfer. Die über 500.000 assyrischen Opfer waren unorganisiert und hatten keinerlei politische Ambitionen. Die türkische Regierung und der türkische Staat lehnen bis heute jegliche Verantwortung an dem Völkermord ab und scheuen keine Mittel, um diese historischen Fakten zu verleugnen. Gleichzeitig verhindert die Türkei durch ihre Verleugnungspolitik den Demokratisierungsprozess sowie einen Mentalitätswandel innerhalb der türkischen Gesellschaft. Diese Verleugnungskampagne sowie der Druck seitens der türkischen Regierung haben bedauerlicherweise dazu geführt, dass sich sowohl die NATO als auch die EU nicht ernsthaft mit den Völkermorden der Jahre 1914 bis 1923 befassen.

Umso begrüßenswerter ist es, dass das schwedische Parlament als erster demokratischer Staat sein 95-jähriges Schweigen gebrochen hat. Es hat die Schreie der Nachfahren der Opfer der Völkermorde in den Jahren 1914 bis 1923 durch die Jungtürken erhört und den Menschenrechten Vorrang vor politischen, militärischen und wirtschaftlichen Interessen gewährt. Durch seine mutige Entscheidung hat das schwedische Parlament ein wenig Balsam auf die seit 95 Jahren andauernden Schmerzen und nichtverheilenden Narben der traumatisierten Nachfahren der Assyrer, der Armenier und der Pontus-Griechen verabreicht.

Aus diesem Grund sprechen wir stellvertretend für das assyrische Volk dem schwedischen Parlament unseren Dank und unsere Hochachtung für seine mutige Entscheidung aus und hoffen, dass viele andere demokratische Staaten diesem Beispiel folgen werden.

Den Assyrern hat die schwedische Entscheidung Mut und Zuversicht gegeben, weiterhin seine Bestrebungen und Aktivitäten für die Anerkennung des Seyfos fortzuführen.

Zugleich appellieren wir an die türkische Regierung, sich nicht länger zu verweigern, eine ernsthafte und sachliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen der Jahre 1914 bis 1923 zuzulassen. Eine solche Auseinandersetzung wird, den Bestrebungen der Türkei in der EU aufgenommen zu werden, dienlich sein. Zudem wird es ihr erleichtern, mit ihrer eigenen Geschichte und mit den Nachfahren der Genozid-Opfer dauerhaften Frieden zu schließen.

Ein solcher Frieden kann jedoch nicht erreicht werden, wenn vor den Augen der türkischen Regierung türkische Behörden und angrenzende kurdische Großgrundbesitzer dem syrisch-orthodoxen Kloster Mor Gabriel und den letzten im Tur Abdin verbliebenen Assyrern mit haltlosen Klagen das Leben erschweren. Daher fordern wir die türkische Regierung auf, diese sinnlosen und haltlosen Prozesse gegen unser Kloster Mor Gabriel zu unterbinden.

An dieser Stelle weisen wir weiterhin auf die sehr bedrohliche Situation der Assyrer (auch Chaldäer und Syrer genannt) im Irak hin, die zum Spielball der widerstreitenden Interessen von Kurden, Sunniten und Schiiten gemacht werden.

Wir appellieren an die Europäische Union sowie die alliierten Mächte, sich nachhaltig und entschlossen für den Schutz und Verbleib der Assyrer in ihrer Heimat einzusetzen und sie bei ihren Bestrebungen nach einer Autonomie zu unterstützen.

-Vorstand –

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