Der 24. April - Shato d´Seifo - das Jahr des Schwertes

Der Völkermord an den Assyrern 1915

Der 24. April ist für alle Christen, die im Nahen Osten leben bzw. von dort kommen - wie die Assyrer, Armenier oder Griechen einer der wichtigsten Gedenktage. An diesem Tag wird auf der ganzen Welt mit Veranstaltungen und verschiedenen Aktionen wie Hungerstreiks oder Demonstrationen an den Beginn des Völkermords 1915 erinnert.

Das 20. Jahrhundert stellt den Höhepunkt der Verfolgung, des Völkermords und der Vertreibung der Assyrer dar und bedeutet den bisher schwersten Einschnitt in ihrer wechselvollen Geschichte. Die Ereignisse des Jahres 1915 sind als Jahr des Schwertes“ (Sayfo) in die Erinnerung der Assyrer eingegangen. Diese waren nicht vergleichbar mit den seit Jahrhunderten gewohnten Lebensverhältnissen der Unsicherheit mit den kurdischen Nachbarn.

Shato d Seifo heißt in unserer Sprache „Jahr des Schwerts“. Den Auftakt bildete das Schwert des Islams, nämlich die Ausrufung des Heiligen Krieges Jihad, der eine Vertreibung und Tötung der so genannten Ungläubigen legitimierte.

Drauf folgte die unterschiedslose Verfolgung aller Christen im Osmanischen Reich.

Die jungtürkische Regierung hatte den Plan der Vernichtung aller christlichen Bevölkerungsgruppen schon bald nach ihrer Machtübernahme gefasst. 1911 entwarf das Komitee für Einheit und Fortschritt“ auf dem Kongress in Saloniki das zukünftige Regierungsprogramm, in dem die Vorherrschaft der türkischen Rasse und der Aufbau des Reiches auf islamischer Grundlage die beiden ideologischen Säulen bildete.

Die Assyrer in Persien fielen den Gewalttaten des türkischen Militärs zum Opfer. In den Gebieten der heutigen Türkei wurden sie mit der Unterstützung der türkischen Machthaber von geistlichen und weltlichen Führern der Kurden erfolgt und ermordet. Viele starben auch auf der Flucht und während der Zwangsdeportationen.

Damals kamen laut Kirchenbüchern der assyrischen Christen ein Drittel, das heißt 500 000 der assyrischen Bevölkerung ums Leben. Nach armenischen Quellen starben 1,5 Millionen Armenier, dazu kam eine weitere Anzahl von Griechen, Juden und Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften. Die zeitgenössischen Berichte und Dokumentationen von Pater Dr. Johannes Lepsius, Gründer der Deutschen Orientmission, belegen, dass die Armenierausrottung gleichzeitig eine Christenausrottung war, also auch die Assyrer betraf.

Dieser Genozid wird von der Türkei bis heute geleugnet. Öffentliche Äußerungen dazu werden, wie der Fall des Assyrischen Pfarrers der syrisch orthodoxen Kirche Akbulut zeigt, gerichtlich verfolgt. Jüngstes Beispiel sind auch die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Beschluss der französischen Nationalversammlung vom 18. Januar 2001, den Genozid an den Armeniern offiziell anzuerkennen.

Während für die Türkei dieses Thema bis heute vollkommen tabu ist und sie sich konsequent weigert, die Massaker aufzuarbeiten, kommen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen geplanten Völkermord handelte.

Wir wissen, dass die Beschäftigung mit diesem sensiblen Thema nicht einfach ist. Das damals erfahrene Unrecht und die vielfach durch Augenzeugenberichte belegte unbeschreibliche Brutalität der türkischen und kurdischen Seite haben sich tief in das Bewusstsein der Assyrer eingegraben. Die Erinnerung daran ist -verständlicherweise – mit großen Emotionen belegt. Der Völkermord von 1915 wird den heute lebenden Türken und Kurden nicht zum Vorwurf gemacht. Doch die Türkei und die Kurden müssen dafür die Verantwortung übernehmen und eine öffentliche Diskussion und die Aufklärung der damaligen Vorgänge zulassen und anerkennen. Neben dieser Forderung ist unser Ziel, die Anerkennung als Volk mit dem Recht auf freie Ausübung der Sprache, Religion und Kultur zu erreichen.

Hier ein Bericht eines Zeitzeugen>>

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