Die 40 Jahre sieht man dem AMVA nicht an

Jubiläumsfeierlichkeiten der Assyrer in Augsburg

Der Assyrische Mesopotamien Augsburg e. V. (AMVA) organisierte vom 19. bis einschließlich 21. Mai 2018 das Pfingstfestival, welches im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums veranstaltet wurde. Zusätzlich zum Programm wurde Israil Demir (Makko) vom ZAVD für seine Tätigkeiten für das assyrische Volk geehrt und die Genozid-Gedenktafel in den Vereinsräumlichkeiten eingeweiht.

40 Jahre AMVA – eine Historie, auf die man stolz zurückblicken kann, weswegen das Festival mit der Zeitreise begann. Moderatoren des Tages, Lahdo Malki und Augin Kurt Haninke, befragten diesbezüglich zunächst die Gruppe der ehemaligen Vereinsvorstände und Gründungsmitglieder. Dabei erzählten die ersten Gründungsmitglieder, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen hatten und wie sich dann der Verein immer mehr in seiner Arbeit etablierte. Gebro Seven nannte die Konflikte mit dem damaligen Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche Mor Julius Isa Cicek als historisch und woraus man lernen sollte. Er sei sehr froh, dass sich die Bögen heute geglättet hätten und die Gemeinde in Augsburg als Vorbild für andere gelte. Trotz der Namensproblematik auch innerhalb der Kirche habe es die syrisch-orthodoxe Gemeinde in Augsburg geschafft, sich einheitlich zu präsentieren und gemeinsam die Marienkirche zu bauen. Besonders hervorgehoben und geschätzt wurde der verstorbene syrisch-orthodoxe Priester Bitris Ögünc (Shushe), der sich stets treu an der Seite des Vereins solidarisierte und bei der Gründung aktiv mitwirkte.
Mit Suleyman Ögünc, Aslan Yildiz und Aziz Akcan war es an der Zeit, einen Generationswechsel voranzutreiben, mit dem man viele Ideen der älteren Generation in die heutige Vereinsarbeit integrieren und professionalisieren konnte. Dies war ein sehr wichtiger Schritt, um den AMVA für die Zukunft zu rüsten.

Im Groben und Ganzen verhielt es sich mit der Jugendgruppe und der Frauengruppe ähnlich. Zunächst musste sich die Frauengruppe in einer Art Männer-Domäne beweisen, was nicht immer leicht gewesen war. Von den anfänglichen Herausforderungen, die Yildiz Seven schilderte, bis hin zum Eintritt von Yildiz Cansu in den Vorstand des assyrischen Zentralverbandes, entwickelten sich die assyrischen Frauen immer mehr zu einem wichtigen Vereinselement. Man habe die eigenen Väter als Vorbild genommen und wollte deren Engagement fortführen. Es entwickelte sich eine enorme Energie innerhalb der Frauengruppe, die mit den Aussagen von Peyrüze Bulun, Naila Demir und Linda Malki sehr deutlich wurde. Letztere war lange Jahre für den Außenkontakt der Frauengruppe zuständig. Ein herausragendes Ereignis stellte der Eintritt in die „Arbeitsgemeinschaft Augsburger Frauen“ (AAF) dar, mit dem man nach außen signalisierte, dass sich die Frauen nicht nur in der assyrischen Küche auskennen, sondern auch auf der politischen Bühne mitwirken können. Tanja Nahrin Makko übernahm hierbei den Vorsitz der AAF, der damals 33 Vereine angehörten. Sitti Goge erwähnte die Fortschritte im Laufe der Zeit innerhalb der Frauenarbeit. Vieles ist leichter als früher, so nutze man heutzutage soziale Netzwerke um Sitzungen vorzubereiten. Jedoch haben die Frauen von heute auch weniger Zeit, da viele selbst berufstätig sind. Trotzdem führe man Traditionen wie die gemeinsame Nikolausfeier oder den assyrischen Fastnachtsumzug „Hana Kritho“ fort. Den Assyrischen Frauen sei auch eine generationsübergreifende Arbeit wichtig.

Die Jugendgruppe hingegen hatte einen wohl wichtigen Einschnitt mit der Gründung des Assyrischen Jugendverbandes Mitteleuropa e.V. (AJM). Um die bundesweite assyrische Jugendarbeit zu stärken, fixierten sich die namenhaften Funktionäre des Jugendvorstandes auf den AJM. Nach diversen Absprachen habe die jüngere Generation das Ruder der „AJA“ übernommen und wurde so ins kalte Wasser geschmissen. Mit einem stolzen Grinsen im Gesicht erzählte Yakoub Yacoub, wie der damalige AJA-Vorstand alle Aufgaben gemeinsam meisterte und der älteren Generation den Rücken für den AJM frei hielt. Hierbei wurde vielen bewusst, dass die Rolle des AMVA bis heute nicht nur auf lokaler sondern auch auf bundesweiter Ebene von großer Bedeutung ist.

Dem Assyrischen Mesopotamien Verein Augsburg e.V. war es seit Gründung sehr wichtig, nicht nur eine Anlaufstelle für Assyrer zu sein, sondern auch die Werte der assyrischen Kultur weiterzuvermitteln. Als Beispiel können hierbei die traditionellen Folkloretänze angeführt werden. Gebro Goge stellte fest, dass esinnerhalb dieser 40 Jahre 23 Tanzleiter gab und die assyrische Folklore ein Werbeschild nach außen geworden sei. Man hatte natürlich Höhen und Tiefen, jedoch hat das ganze eine eigene Dynamik entwickelt. Stolz ist der AMVA auf den Tanzkurs, der mit fast 80 Teilnehmern in unterschiedlichen Altersgruppen existiert. Die professionellen Schritte der ersten Teilnehmer hat man Nuri Araz und Tomas Makko zu verdanken.

Tomas Makko, Fehmi Ergin und Eliyo Makko erzählten aus alten Zeiten. Highlight war der Auftritt der Folkloregruppe vor tausenden Zuschauern, während eines Spieles des DFB-Teams. Motiviert blicke man heute auf die Entwicklung der unterschiedlichen Folkloregruppen im Verein, denen Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen angehören können.

Die Zeitreise wurde mit dem Interviewen der Funktionäre der Fußballmannschaft beendet. David Akgül erläuterte zunächst, dass die Fußballmannschaft mit dem Ziel gegründet wurde, die assyrischen Jugendlichen mit sportlichen Ambitionen im Verein zu involvieren. Es waren Sportler unterschiedlicher Altersgruppen vertreten. Dieses Vorhaben zeigte mit heutigen Blick auf Aziz Akcan als erster Vorsitzender des Gesamtvereins und Fikri Akcan als Sportvorstand von Assyrer Augsburg seine Wirkung. Fikri Ninos wünscht sich im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums den Aufstieg von Assyrer Augsburg in die Augsburger Kreisklasse und bezeichnete sich als Allrounder des AH-Teams.

40-jähriges Jubiläum

19.05.2018 | Augsburg

Zeitreise

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Das Ende der Zeitreise wurde dann doch sehr emotional. Ellen Celik, zweite Vorsitzende des Zentralverbandes der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und Europäische Sektionen (ZAVD) e.V., würdigte die herausragende Arbeit von Israil Demir (Makko), der als Gründungsvorsitzender in die Vereinsgeschichte einging. Celik ging unter anderem auf seinen privaten und ehrenamtlichen Werdegang ein. Als Aziz Akcan berichtete, wie er den schwer kranken Israil Demir im Krankenhaus wohlwollend zugesprochen hatte, ihn erfreut in den Vereinsräumlichkeiten zu begrüßen, überkamen ihn zusätzlich die Emotionen. Ein bewegender Moment, an dem viele teilhaben durften.

Ein weiteres Highlight und eine Überraschung für viele Gäste war die offizielle Einweihung der Genozid-Gedenktafel in den Vereinsräumlichkeiten durch Aziz Akcan und Israil Demir (Makko). Im Jahre 1915 beschlossen die Jungtürken mit Hilfe der Kurden, die christlichen Minderheiten im damaligen Osmanischen Reich auszulöschen. Neben der Armenier und Pontos-Griechischen fielen auch die Assyrer diesem Völkermord zum Opfer. Bis heute leugnet jedoch die türkische Regierung bedauerlicherweise diesen Genozid.

Der Samstag-Abend fuhr dann schließlich mit einem Konzert im Stadtwerkesaal fort. Dabei scheute sich das Komitee nicht, den Gästen ein tolles Abendprogramm zu bieten. Unter der Moderation von Josef Cacan versetzten die Sänger Sarah Ego, Dilmon Lahdo und Linda Hadiko mit ihren Klängen die Gäste in das antike Mesopotamien. Ein unglaubliches Ereignis, welcher den Abend abrundete.
Zusätzlich übernahm kurzer Hand der Moderator und Stand-Up-Comedian Josef Cacan die Initiative, um dem Publikum die ein oder andere Geschichte zu verzählen. Hierbi brachte er den ganzen Saal noch zum Lachen, ehe es zur abschließenden Cocktailnight ins Altstadtcafe Augsburg ging.

40-jähriges Jubiläum

19.05.2018 | Augsburg

Konzert

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Gut ausgeruht und mit den Konzertliedern des Vortages im Kopf fanden sich am folgenden Tag alle auf dem Platz des TSV Kriegshaber e.V. zusammen. Auf dem Programm stand das Fußballturnier, für das die zehn Teams in zwei Gruppen eingeteilt wurden. In der „Gruppe A“ waren Assyrer Augsburg, Suryoye Kirchhausen, FC Arboush Straubing, AJM Bayern und Suryoye Füssen vorzufinden während sich in der „Gruppe B“ Assyrer Augsburg AH, FC Khabour, Sportmix Augsburg, Tur Abdin Würzburg und Assyrer Paderborn heiße Partien lieferten. Nach einem spannenden Finale konnte sich der FC Khabour gegenüber Assyrer Paderborn durchsetzen und stand am Ende des Tages als Turniersieger fest.

40-jähriges Jubiläum

20.05.2018 | Augsburg

Fußballturnier

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FußballturnierFußballturnierFußballturnierFußballturnierFußballturnier

Anschließend hatten die Augsburger sowie alle Gäste bei der Assyrischen Kulturfeier die Möglichkeit, gemeinsam das 40-jährige Bestehen zu feiern. Der Sänger Bashar Yuhanon brachte dabei die Stimmung fast zum Überkochen und sang bis in die frühen Morgenstunden.

40-jähriges Jubiläum

20.05.2018 | Königsbrunn

Hago

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Ausgeschlafen und mit einem großen Hunger trafen sich dann alle nochmals in den Vereinsräumlichkeiten zum gemeinsamen Abschlussfrühstück. Wir können auf ein sehr erfolgreiches und schönes Wochenende zurückblicken. Wir hoffen alle Gäste beim nächsten Jubiläum erneut begrüßen zu dürfen. Großen Dank gebührt dem Komitee und allen Helfern, die bei diesem tollen Programm mitgewirkt haben. Natürlich dürfen wir nicht unsere Sponsoren vergessen, ohne dessen finanzielle Hilfe ein derartiges Festival nicht möglich gewesen wäre.

Mit Stolz und erhobenen Hauptes werden wir die von Pfarrer Bitris Shushe, Yoken beth Yoken, Sado Isler (Makko), Malke Bulun, Ablahat Gecer, Israil Demir (Makko), Savmi Isik, Yusuf Özbakir und Aziz Kalayci begonnene Arbeit fortfahren.

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