Neue wissenschaftliche Erkenntnis

Neue Entdeckung erhöht Verbindung zwischen Suroye und Asuroye

Ein Stein mit einer 2800 jährigen Inschrift wirft neues Licht auf die heutige assyrische Identität und die Beziehung zwischen den Bezeichnungen Suroyo, Suryoyo und Asuroyo. Nach Ansicht Prof. Robert Rollinger's, ist die Frage gelöst. „Suroye oder Suryoye bedeutet nichts anderes als Assyrer,“ sagt er zu hujada.com. Aber Dr. Assad Sauma Assad hat Einwände.

Der Stein mit der wichtigen Inschrift wurde vor kurzem in der heutigen Südosttürkei, genauer in Cineköy in der Nähe der Stadt Adana gefunden. Die Archäologen sagen die Inschrift datiert um ca. 800 v. Chr., womit es bemerkenswerte 2800 Jahre bildet. Die auffallende Eigenschaft dieser Inschrift ist ihre zweisprachige Form, geschrieben in phönizisch und in luwisch. Phönizisch wird nicht mehr gesprochen, aber damals war es die Sprache der Phönizier, die Händler entlang den östlichen Ufern des Mittelmeeres waren. Luwisch ist eine andere ausgestorbene Sprache, die in Anatolien gesprochen wurde, aber später durch die aramäische Sprache um 500 v. Chr. ersetzt wurde.

In der von den Archäologen erfolgreich übersetzten Inschrift erklärt ein lokaler König Namens Urriki in der Gegend von Cineköy, von seinen Beziehungen zum Assyrischen Reich. In der phönizischen Version der Inschrift wird das Wort Assyrien „Assur“ geschrieben, aber in der luwischen Version wird das gleiche Wort „Sur“ geschrieben. Diese zwei Arten, „Assyrien“ zu schreiben, haben die Aufmerksamkeit der Forscher erlangt, um die viel debattierte Frage über die Namen Assyrien und Syrien aufzulösen.

In der vierten Ausgabe des hoch anerkannten Fachmagazin „Journal of Near Eastern Studies“ vom Oktober 2006, argumentiert Professor Robert Rollinger vom Leopold-Franzens- Universität in Innsbruck, Österreich, dass die Cineköy Inschrift eine klare Antwort auf die Frage liefert, die seit dem Mittelalter debattiert wird. Prof. Rollinger argumentiert, dass die zweisprachige Inschrift über alle angemessenen Zweifel hinaus bestätigt, dass der Name Syrien nur eine kürzere Version von Assyrien ist. Prof. Rollinger, der als ein Experte der Geschichte, der Sprachen und den Kulturen des Orients betrachtet wird, hat nur positive Rückmeldungen von anderen Forschern betreffend seinem Ergebnisse erhalten. Positives Feedback hat ihn auch von der assyrischen Gemeinschaft erreicht, die die Frage auch seit langem beschäftigt hat. Der Professor hat nun selbst alle Fragen beseitigt.

„Meiner Meinung nach setzt dieser Fund ein Ende zu allen Diskussionen. Ich bin hundert Prozent sicher, weil es unmissverständlich in die Inschrift geschrieben ist. Wir haben das Glück den gleichen Text in zwei unterschiedlichen Sprachen gefunden zu haben, phönizisch auf einer Seite und luwisch auf der anderen Seite, welches offensichtlich eine zweisprachige Inschrift darstellt. In der phönizischen Version haben wir das Wort Assyrien, das in seine ursprüngliche Form mit einem „A“ am Anfang geschrieben wird, und sich zu „Assur“ bildet. In der luwischen Version haben wir das gleiche Wort aber ohne die Initiale A, die es zu „Sur“ bildet. So hatte der Name Assyrien die Initiale „A“ in der luwischen Version verloren. Selbstverständlich bedeuten „Assur“ und „Sur“ Assyrien; der einzige Unterschied ist die abgekürzte Form des Wortes Assyrien im luwischen Text,“ erklärt er.

Prof. Rollinger erklärt, dass die Griechen, die in Kontakt mit den unterschiedlichen Kulturen des Mittleren Ostens um 800 v. Chr. kamen, das Wort „Sur“ angenommen haben und ihm ein griechisches Ende gegeben haben müssen, das es zu „Suria“ bildet, ein Wort, das bis an diesem Tag als „Syrien“ lebt. Die Konsequenzen dieser Entdeckung können für die Forscher und für die Assyrer weitreichend ausfallen, aber Prof. Rollinger spekuliert ungern auf den Einfluss für die heutige Situation.

„Sagen wir, dass es ein aufklärender Beitrag ist, woher der Name herstammt und beenden die lange Diskussion über die Verbindung zwischen den Bezeichnungen Assyrien und Syrien. Was die assyrische Gemeinschaft mit diesen Informationen, mit diesem neuen Ergebnis tut, weiss ich nicht. Warten wir ab und sehen,“ kommentierte er.

Welches sind nun die Konsequenzen der Ergebnisse von Prof. Rollinger, auf die heutigen Assyrer bezogen?

Seit wir uns erinnern, haben wir uns in unserem westlichen Dialekt Suroye oder in der Version mit dem Extra „y“ Suryoye genannt. Und im östlichen Dialekt haben wir uns Suraye bzw. Suryaye genannt. Beide Versionen der Namen ähneln dem Namen „Sur“, welcher in der Cineköy Inschrift gefunden wurde, dass wiederum Assyrien bedeutet. Könnte es sein, dass Suroye, Suryoye und Suraye, Suryaye alle Assyrer bedeuten? Zeigte die assyrische Bewegung die richtige Richtung auf, als sie diese Verbindung von Anfang an bereits unterstrich?

Prof. Rollinger selbst hat keine Zweifel über die Verbindung.

„Ich stimme total darin überein, dass diese Namen Assyrer bedeuten. Von einem etymologischen Gesichtspunkt aus, woher der Name herstammt, denke ich, dass es völlig offensichtlich ist. Es ist eine Abkürzung des Namens Assyrien,“ sagt er und fügt hinzu:

„Und selbstverständlich waren in dieser Gegend von Zilizien und Nordsyriens um die Zeit 800 v. Chr. noch andere Völker als Assyrer; viele Aramäer, Luwier und Griechen. Selbstverständlich verwendeten die Aramäer auch diesen Ausdruck für die Bezeichnung Assyriens,“ sagt Rollinger und vertieft weiter:

„Allgemein ausgedrückt muss man zwischen zwei Aspekten unterscheiden. Eins davon ist die linguistische Ebene, woher der Name herstammt, und die andere ist die Identität hinsichtlich der Kultur, der Rasse, des Bluts usw., die viel schwieriger und viel komplizierter ist nachzuforschen.“

„Aber betreffend dem Namen, ist es jetzt völlig klar“, sagt der Forscher.

Aber Dr. Assad Sauma Assad vom Bereich der Syrologie in der Universität Stockholm ist nicht so sicher. Syrologie ist der Oberbegriff für die Studien über die syrischen Kirchen, Sprache und Kultur. Dr. Assad ist seit langer Zeit ein starker Fürsprecher für eine syrisch-aramäische Identität unseres Volkes und behauptet wir hätten keine assyrische Identität.

Aber gleichzeitig ist Dr. Assad heute bereit, die Verbindung zwischen den Bezeichnungen Suroye, Suryoye und Asuroye zu akzeptieren, nachdem er den Text von Prof. Rollinger gelesen hat.

„Es kann hundert Prozent zutreffen, dass Suroyo und Suryoyo vom Wort Asuroyo (Assyrer) stammen, aber es müssten zukünftig andere Beweise noch auftauchen,“ sagt er und erklärt weiter, dass die Theorie des Ursprung des Wortes Suroye oder Suryoye an historische Beweise mangelt:

„Alle syrischen Schreiber haben während den Zeiten einstimmig erklärt, dass das Wort Suroye von einer Person stammt, die Sures oder Syrus hiess. A ber wir haben nirgends diesen Sures/Syrus in der Geschichte gefunden, also ist es nichts wissenschaftliches. Man kann es eine Legende oder ein Mythos nennen. Es gibt viele solcher Legenden, die Leute gebildet haben, um Sachen zu erklären,“ begründet Dr. Assad.

Dr. Assad unterstreicht gleichzeitig, dass man zwischen dem Namen eines Volkes und der ethnischen Identität des Volkes unterscheiden muss. Nach Ansicht Dr. Assad’s haben alle syrischen Kirchenväter ab dem dritten Jahrhundert n. Chr. sich mit den Aramäern in ihren Schriften in Verbindung gebracht. Ein solches Beispiel ist der berühmte Mor Afrem vom dritten Jahrhundert, das den Denker Bardaysan als „Failasofo d‘ Oromoye“ beschrieb (Philosoph der Aramäer).

Dr. Assad hebt die Tatsache hervor, dass dies nicht nur ein Auftreten in der syrisch-orthodoxen Kirche war, sondern auch in der chaldäischen und nestorianischen Kirche. Dieses Phänomen ist durch den assyrischen Schriftsteller Johanon Qashisho erklärt worden, der schrieb, dass die tief frommen Kirchenväter sehr durch die negative Beschreibung der Assyrer in der Bibel beeinflusst wurden. Das Alte Testament wurde von Juden geschrieben, die die Assyrer als Feinde und folglich die Assyrer in einer voreingenommenen und nachteiligen Weise erfassten. Das ist der Grund, warum viele unserer Kirchenväter, stark beeinflusst durch die Bibel, beschlossen, ihren assyrischen Ursprung zu verweigern, indem sie Entschuldigungen für ihren assyrischen Namen suchten, und sich stattdessen mit den Aramäern verbinden wollten, die in einer deutlich positiveren Weise in der Bibel beschrieben werden. Aber Dr. Assad, der anerkennt, dass das Wort Suroye Assyrer bedeutet, behält bei, dass wir über den linguistischen Aspekt hinaus schauen und verstehen müssen, dass Namen unterschiedliche Bedeutungen während unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte tragen können.

„Es ist heute falsch, das Wort Suroye oder Suryoye zu Assyrer zu übersetzen, weil es so lange her ist, dass Suroyo sich von Asuroyo entwickelt hat. Wir müssen betrachten, was die Wörter während unterschiedlichen Perioden bedeuten. Wir können heute nicht ein Wort in der gleichen Weise verwenden, wie es vor 2600 Jahren verwendet wurde,“ behält er sich vor. Aber das weitere Ausfragen zeigt, dass Dr. Assad selbst glaubt, dass wir assyrisches Blut haben, obgleich er scharf darauf beharrt, dass es nur in einem kleinen Umfang ist.

„Die Assyrer-Chaldäer-Suryoye im Irak, besonders im Norden, haben gewisse assyrische Wurzeln. Die alten Assyrer existieren nicht mehr. Sie wurden getötet und diejenigen von ihnen, die überlebten, wurden unter den Aramäern assimiliert. Es gibt keine Assyrer heute, weder linguistisch, kulturell oder ethnisch. Sie begannen sich Oromoye (Aramäer) zu nennen und mit der Zeit vergassen sie, dass sie assyrische Wurzeln hatten,“ sagt Dr. Assad, der sich in seiner Muttersprache als „Suryoyo“ (Assyrer) bezeichnet.

Eine Person, die Dr. Assad Sauma Assad nicht zustimmt, ist Zack Cherry, selbst ein Assyrer und angehender Doktor sowie Lehrer im Bereich Assyrologie von der Uppsala Universität in Schweden. Assyrologie ist der Oberbegriff für Studien der unterschiedlichen alten Kulturen des Nahen Osten. Zack Cherry, nicht wie Dr. Assad, stimmt den Ergebnissen Prof. Robert Rollinger’s zu, betreffend der Verbindung zwischen den Wörtern Syrien und Assyrien und dass Suroye bzw. Suryoye nichts als Assyrer bedeuten.

„Was ich stark hervorheben möchte ist, dass unsere assyrischen Vorfahren definitiv den Begriff Suraye oder Suroye nicht von einem fremden Volk oder Sprache empfingen, zum Beispiel der luwischen Sprache, und plötzlich begonnen haben sich Suraye oder Suroye anstelle von Ashuraye zu nennen. Der Grund für diese Veränderung der Aussprache, dass Ashuraye sich in Suraye und in Suroye entwickelt hat, wird in der aramäischen Sprache nachgewiesen, welche assyrische Könige freiwillig und zu strategischen Zwecken angenommen und zu einer Amtssprache im Assyrischen Reich seit 900 v. Chr. befördert haben, neben ihrer eigenen und viel älteren Sprache, welche sie Ashuritu oder Akadattu nannten, was die assyrische oder die Akkadische Sprache bedeutet,“ sagt er.

Zack Cherry, der gerade ein Gastdoktorstudent während eines Jahres am Altorientalischen Institut der Universität Leipzig ist, sagt, dass er viele Beweise während seines Studiums gesammelt hat, die eine assyrische Identität für unser Volk stützen, und dass er jene Beweise in der nächsten Zukunft veröffentlichen wird. Cherry erklärt auch, dass es heute keine glaubhafte Forschung gibt, die unseren assyrischen Ursprung ablehnt, jedoch viele Beweise, die unsere assyrische Identität und Ursprung bestätigen, sagt er.

Infolgedessen stimmen Prof. Robert Rollinger und angehender Doktor Zack Cherry mit der korrekten Übersetzung der Namen Suroye, Suryoye bzw. Suraye und Suryaye überein, Assyrer zu bedeuten.

Dr. Assad hingegen ist nur über die ursprüngliche linguistische Bedeutung einig und hat einige Einwände einer breiteren Deutung in Richtung der Verbindung zwischen den Bezeichnungen Suroye und Asuroye.

Es ist an sich lobenswert, dass Dr. Assad, trotz seiner ehemaligen Position in dieser Frage, neue Beweise in der Frage der Identität unseres Volkes begrüsst und respektiert. Um Übereinstimmung zu dieser schwierigen und weitreichenden Sache zu erreichen, sollte das Beispiel von Dr. Assad weitergeführt werden und neue Beweise akzeptiert werden, anstatt alles zurückzuweisen, das nicht in der eigenen assyrischen oder syrischen Agenda passt. Unser nationaler Vater Naum Faik hatte keine Probleme mit der Anerkennung seiner aramäischen und assyrischen Wurzeln. Man wundert sich, warum es heute für uns so schwierig ist, stolz die Aramäer und Assyrer vereint darzustellen. Zwei der ältesten Zivilisationen der Welt.

Zuerst veröffentlicht auf Schwedisch durch hujada.com

Übersetzung vom Englischen durch
28.03.2007/05.09.2009
Musa Beth Stayfo

 

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