Vom Rechtsanwalt und Vereinsmitglied Aslan Yildiz

Biographie von Malfono Naum Faik

Naum Faik lebte von 1868 bis 1930 und zählt zu den größten Bekanntheiten des assyrischen Volkes. Diesem Mann widmet der Rechtsanwalt Aslan Yildiz eine persönlich zusammengestellte Biographie.

ܟܠܚܕ ܕܠܐܘܡܬܗ ܦܠܚ܇ ܐܦܢ ܕܠܩܒܪܐ ܢܨܠܐ܇ ܫܡܗ ܡܬܕܟܪ ܡܢ ܕܪܐ ܠܕܪܐ܀

Wer war der Erzieher, bedeutender Schriftsteller, Wegweiser und große Lehrer Naum Faik?

 

Februar 1868 Geburt
  • in Omid / Diyarbakir
  • Sohn von Elias b. Yakob Palakh
  • „Naum“: Taufname
  • „Faik“: Zuname ,den er aufgrund seiner Bildung, Begabung und seines Intellekts, wegen der osmanischen Administration, bekam.
1881-1888 Schule
  • 1881-1888 Schule Besuch des Gymnasiums in Omid, das von der „Brudergesellschaft der alten Syriani“ (gegründet 1879)“, einem Zusammenschluss syrisch-orthodoxer Intellektueller, im Jahr 1881 gegründet wurde.
  • Leitung der Schule: Hanna Sirri Ceqqi
  • Erlernung des Syrischen, Arabischen, Türkischen, Persischen sowie später des Armenischen, Französischen und Englischen
  • Zusätzlich: Kirchenmusik, Geschichte, Sozialwesen und Naturwissenschaften Naum Faik besuchte diese Schule 8 Jahre lang, er wollte später an den Fakultäten in Syrien studieren. Nach dem Tod seiner Eltern war dies finanziell jedoch nicht mehr möglich.
1888-1912 Lehrer 1888-1912 Lehrer in Diyarbakir (Bischof Circis Abdunur) mit kurzen Unterbrechungen in:

  • Urfa
  • Hsanmansour (Adiyaman), für die neu erbaute Schule der 50 ansässigen Familien
  • Homs, Syrien (Patriarch Mor Ignatius Abdulmesih II 1896)
  • Deserfe Beirut, Libanon (Kloster)
  • Jaffa und Jerusalem
  • Mardin (Deir Zafaran), wo er als Malfono für die Syrische und Türkische Sprache agierte (1904)
 Studium neben seiner Lehrtätigkeit studierte er in allen Orten die historischen und kirchlichen Bücher der jeweiligen Bibliotheken
 16.10.1889  Kirche Naum Faik wird von Patriarch Petrus IV. zum Subdiakon geweiht.

  • er war / wurde aktives Mitglied seiner syrisch-orthodoxen Kirche,
  • übernahm die Leitung des Kirchenchors
  • beteiligte sich an der Entwicklung der kirchlichen Musik
  • war Sekretär der Erzdiözese und des Bischofs

ܗܘ ܕܠܐܘܡܬܗ ܪܐܚܡ ܠܐܠܗܐ ܪܚܡ.

 14.02.1899 Familie im Alter von 31 Jahren Heirat

  • aus der Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen, zwei Jungs und drei Mädchen. Von ihnen Überlebten zwei Mädchen, die in Amerika leben, die anderen verstarben im Kindesalter.
 1908/09  Aktivitäten Gründung der Literaturgesellschaft Al Intebah „Aufmerksamkeit“

Ziele:

  • Verbreitung der Nationalidee
  • Organisierung der Kirche
  • Versuch einer Neugründung der Schule in Omid, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen 1888 geschlossen wurde
  • Wiederbelebung des literarischen Erbes. Die Patriarchatsbibliothek und die Klosterdruckerei von Deir Zafaran bildeten dafür die Grundlage
 1909-1912  Zeitschrift Herausgabe der Zeitschrift Kaukbo d Madenho/Kaukab al Sharq (Stern des Ostens)

  • sie erschien zweimal monatlich in türkischer Sprache im syrischen Alphabet (Garshuni)
  • sie enthielt literarische, historische, sprachwissenschaftliche und kirchengeschichtliche Beiträge, daneben auch aktuelle Nachrichten
  • sie sollte eine Lehrschule für seine Nation sein. („gezici okul olsun diye“)
  • mit der Emigration von Naum Faik nach Amerika fand die Zeitschrift ihr Ende.
    (Gabriele Jonan: Journalismus S.33 – 36)

Naum Faik predigte allzeit die Wichtigkeit von:

  • Schulen
  • Druckereien
  • Zeitschriften/Zeitungen

In ihnen sah er die Grundlage für das Überleben unseres Volkes und die Bildung einer nationalen Jugend.

 22.09.1912  Exil Auf Empfehlung seines Lehrers sah er sich aufgrund der politischen Situation gezwungen nach Amerika auszuwandern.
Er emigriert nach Paterson, New Jersey in den Vereinigten Staaten, wo er sich mit Hilfe seines Freundes Sanherib Bali niederlässt.
Dort schloss er sich der assyrischen Einheitsbewegung an und stellte seine Kräfte und geistigen Impulse in ihren Dienst.
(Yonan: Journalismus S. 36)
Grund dafür war die Unterdrückung seines Volkes in der Heimat.
Zudem war er persönlich in Gefahr, was durch den Mord an Prof. Ashur Yousuf 1915 nochmals deutlich wurde.“Soon he comes to America, not in search of material wealth, but in pursuance of achieving a spiritual end.“ Dr. David Barsom Perley

ܓܒܪܐܝܠ ܐܦܪܐܡ؛ ݂ܡܪܢܝܬܐ ܦܬܐ
ܢܦܩ ܡܢ ܒܝܬܢܗܪܝܢ܇ ܒܚܠܡܐ ܕܬܢܝܢܘܬ ܐܬܪܐ ܢܚܙܐ
ܢܦܩ ܡܢ ܒܝܬܢܗܪܝܢ ܒܕܚܫܝܒ ܗܘܐ ܢܘܟܪܝܐ ܒܥܦܪܐ
ܐܬܓܠܘܝ ܓܢܒܪܐ܇ ܒܢܝܫܐ ܕܠܚܘܒ ܐܘܡܬܗ ܒܠܒܘܬܐ ܕܫܪܒܬܐ
ܕܩܕܡܢ ܢܙܪܘܥ

 1916-1929  Aktivitäten Herausgabe der Zeitschrift Bethnahrin (mit Unterbrechung von 1921-1922)
Bethnahrin erschien in Syrisch, Arabisch und Türkisch, berichtete über die Massaker von 1915, druckte Kommuniques und Spendenaufrufe ab.
Zudem veröffentlichte er hier auch seine eigenen Arbeiten.
1921-1922 Chefredakteur der Zeitschrift Hujada. Diese wurde von der „Chaldo-Assyrian National Association“ herausgegeben. Insgesamt erschienen 39 Ausgaben in Syrisch, Arabisch, Türkisch und Englisch. (Yonan, Journalismus S. 41) Hujada war eine national ausgerichtete Zeitung. Sie thematisierte die Diskussion um die Frage der nationalen Selbstbestimmung; die Neugliederung des osmanischen Reiches, sowie die Forderungen der assyrischen Nation. Diese Zeitschrift ist in New York aufbewahrt, sie ist eine Quelle von großem Wert. Nach dem Ende von Hujada kehrte Naum Faik zu Bethnahrin zurück.
Politik Naum Faik setzte sich ein für:

  • die nationale Einheit
  • das Widerleben der assyrischen Nation
  • gegen das Stammesdenken und den Trennungsgedanken
  • die Aufhebung der Unterschiede zwischen den Konfession innerhalb der Nation
  • die Gründung von Komitees zur Unterstützung der Waisen, die den Völkermord überlebten- aus dieser Unterstützung entstand die Taw-Mim-Simkath-Schule in Beirut, Libanon.
    Aus dieser Schule gingen später große Persönlichkeiten wie Malfono Johanon Qashisho, Johanen Salman u.a. hervor.
  • die Entsendung eines Assyrers zur Teilnahme an der Friedenskonferenz von Sevres
1927 Tod seiner Ehefrau
1930 Eine starke Lungenentzündung wird bei Naum Faik festgestellt.
05.02.1930 Tod

Naum Faik, der Poet und Gründer der assyrischen Renessaince, scheidet von uns!

ܓܒܪܐܝܠ ܐܦܪܐܡ؛ ݂ܡܪܢܝܬܐ ܦܬܐ
ܒܟܝ ܗܝ ܐܬܝܠܕ ܐܘ ܡܬܐ܇ ܘܒܟܝ ܗܝ ܫܐܠ ܐܢܐ ܕܐܥܡܨ ܠܥܝܢܬܐ
ܘܠܦܓܪܐ ܕܝܠܝ܇ ܒܥܦܪܟܝ ܒܥܐ ܐܢܐ ܕܠܣܝܡ܇ ܐܡܐ ܕܫܟܚܬܐ.- ܢܥܘܡ ܦܐܝܩ

„Sende dogdum sende ölmek isterim ey vatanim. Eglerim arzu turabinde gömülsün bu tenim“

Nachlass Naum Faik

  • hat über 30 Bücher, Aufsätze und sonstige Schriften verfasst
    (Yonan, Journalismus S. 35)
  • er kämpfte Tag und Nacht für die nationale Einheit unseres Volkes
  • hat die nationalen Interessen immer über die persönlichen Interessen gestellt, verfolgte nicht Ruhm oder Reichtum
  • ja, er wurde arm geboren, aufgrund seiner Ideale lebte er arm und starb auch arm, aber sein Nachlass ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen
  • er setzte sich gegen die Spaltung und Trennung unserer Nation
  • ist eine Säule unserer Nation, seine Ideale und Philosophie wurden von Dr. Perley als „Palakhianism“ bezeichnet
  • war mehr als 40 Jahre im Dienste seines Volkes und seiner Heimat
  • war eine Kerze in der Dunkelheit, er war der Anwalt und Arzt seiner Nation
  • gründete Vereine, gab Zeitschriften heraus und schrieb Bücher
  • bildete eine nationalbewusste assyrische Jugend aus
  • er setzte sich für das friedliche Miteinander der assyrischen Nation mit den Nachbarvölkern ein
Ziele Naum Faiks waren

  • die Verhinderung des Auseinanderlebens seines Volkes
  • die Verhinderung der Auswanderung aus Beth Nahrin, zu der er ironischerweise jedoch selber gezwungen wurde
  • die Bildung einer neuen selbstbewussten und sich behauptenden Jugend/Generation,
  • die Vereinigung seines Volkes, das denselben Ursprung hat
    „Warum sollte ein Volk wegen seiner Konfessionsunterschiede zerteilt leben, dessen Geschichte, Sprache und Kultur gleich ist?“
  • die Förderung der assyrischen Sprache:
    • innerhalb der Kirche sollte nur noch syrisch gesungen und gepredigt werden
    • die Kleriker sollten mindestens eine Priesterschule „Klirokoyto“ besucht haben
    • gegenseitige Schreiben sollten in syrisch verfasst werden.
Zitate Zitate von Naum Faik:

  • „Die Entwicklung der Völker ist abhängig von ihrer Freiheit, die ihnen nicht geschenkt wird, sondern die beansprucht und genommen werden muss.“
  • „Es ist besser für einen Menschen das Leben zu verlieren, als die Freiheit des Denkens und Handelns zu verlieren.“
  • “Ulusumun kalpleri, sevgi, kardeslik ve bagimsizlik ile birlestirmeli, tükenip tarihe karismadan önce. Bizler kuvvetli, uygar bir ulusun evlatlariyiz.”
  • “Umtho klozamla:
    • U kanyo du kathowo
    • I kisto du tagoro
    • U abzoro du daworo”

Heutige Situation

  • Unterdrückung, Diskriminierung und Vertreibung unseres Volkes
  • nationale Rechte der Assyrer in der Heimat sind nur teilweise anerkannt
  • Fehlen einer Einheit unter den politischen Parteien
  • Muttersprache ist nicht vom Aussterben bedroht; jedoch wird sie immer weniger von Jugendlichen gesprochen
  • die Kirchen kommen sich zwar näher, jedoch ist noch keine wirkliche Einheit in Sicht; innerhalb der Kirchen große Umwälzungen
  • Schulen, Druckereien und Zeitschriften sind vorhanden
  • mehrere TV-Sender existieren, um die Sprache und Kultur der Assyrer aufrechtzuerhalten

Nationales Gedicht

Kommt, Assyrer, lasst uns eine glückliche Zukunft bauen aus Wissenschaft und Lehre, und auch Tugenden sollen unsere Führer sein.
Erheben wir uns alle miteinander, denn Einigkeit macht stark! Bekleiden wir uns mit Stärke, umarmen wir die Freiheit und seien wir wachsam, wir wollen uns nicht dem Elend überlassen.
Söhne von Arams Stamm, und auch ihr, Kinder von Semiramis, warum schlafen wir? Euer Ziel sei der Sieg und seine süßen Früchte, und in den Spuren unserer Lehrer sollen wir wandeln.
Warum Dunkelheit in den Augen und Gedanken voller Düsternis? Wir müssen Rat finden und uns mühen, den Ruhm und das Ansehen unserer Vorfahren und Könige wieder Zugewinnen.
Erhebe dich Assur, beschütze uns vor der Dummheit! Lange genug hast du geschlafen, sei nicht länger untätig, denn das bringt dir Verhängnis.
Wer könnt mir Flügel geben, damit ich bis ans Ende von Mesopotamien fliegen kann, um in seiner Erde zu ruhen und seinen Geruch zu atmen, unendliche Glückseligkeit werde ich dann empfinden.

(Naum Faik aus Gabriele Yonan, Assyrer heute S.111)

ܕܡܢܟܝ ܫܪܝܬ ܐܡܗܝܘܬܢ ܘܒܟܝ ܐܬܓܢܒܪܬ ܐܘܡܬܝܘܬܢ܀
ܐܢܬܝ ܗܝ ܝܪܬܘܬ ܐܒܗܬܢ ܘܠܘܬܟܝ ܤܓܝܐܐ ܪܚܡܬܢ
ܘܐܢܬܝ ܗܝ ܝܪܬܘܬ ܐܒܗܬܢ ܢܝܢܘܐ ܘܒܒܝܠ ܡܠܟܘܬܢ܀
ܒܝܬܢܗܪܝܢ ܐܢܬܝ ܐܝܬܝܟܝ ܥܦܪܢ ܘܐܢܬܝ ܐܝܬܝܟܝ ܢܘܗܪܢ ܘܨܦܪܢ
ܡܢܟܝ ܫܘܚ ܗܘܐ ܡܡܠܠܢ ܘܤܦܪܢ ܘܒܟܝ ܐܙܕܗܝ ܗܘܐ ܠܗ ܫܘܦܪܢ܀
ܒܝܬܢܗܪܝܢ ܐܢܬܝ ܐܝܬܝܟܝ ܒܝܬܢ ܘܗܕܪܐ ܕܝܠܢ ܐܦ ܬܨܒܝܬܢ
ܢܩܥܐ ܟܠܢ ܒܙܡܝܪܬܢ ܫܠܡܐ ܠܐܪܥ ܐܒܗܬܢ܀
ܐܚܝ ܪܚܝܡܐ ܒܢܝܐ ܕܡܬܢ ܬܘܘܢ ܢܚܝܕ ܠܠܒܘܬܢ
ܕܢܫܟܚ ܕܢܤܡܤܡ ܫܘܡܬܢ ܘܢܦܢܐ ܫܘܒܚܐ ܕܐܒܗܬܢ܀

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