Metropolitan Mor Eustathius Matta Roham

“Malfono Naum Faik´s Wunsch muss erfüllt werden.“

Bischof Matta Roham und zwei weitere Bischöfe der syrisch orthodoxen Kirche sind vergangene Woche zur Besuch im Kloster Mor Efrem in Glanebrug/Niederlande und Kloster Mor Jakob in Warburg gewesen.

Es ist allgemein bekannt, dass die beiden Bistümer Holland und Deutschland große Probleme haben, deren Lösung gesucht wird. Alle reden über dieses Thema, aber im Grunde weiß niemand genau, wann die beiden Bistümer ihre neuen Bischöfe bekommen.

Ich hatte die Ehre, mit Bischof Matta Roham während seines Besuches im Kloster Mor Efrem in Glanerbrug, ein Gespräch zu führen. Ich habe in dem dreistündigen Gespräch die Gelegenheit gehabt verschiedene Themen/Entwicklungen anzusprechen.

Der Eindruck, den ich von Bischof Matta Roham vermittelt bekommen habe, war dass es sich um einen religiösen aber auch politisch sehr engagiert Menschen handelt. Vor allem beim Beantworten meiner Fragen wurde dies wurde sehr deutlich, da er überwiegend in deiner politisch-diplomatischen Art und Weise sprach.

Er hat ein breites Wissen über unser Volk und der Probleme der Gemeinschaft. Mit der Beantwortung seiner Fragen war ich sehr froh, vor allem in einer nationalen Frage an unsere Umthonoye: Den Wunsch Naum Faik´s zu erfüllen:

Das Grab aus den Vereinigten Staaten muss nach Bethnahrin überführt werden

Aus dem Gespräch heraus konnte ich auch vernehmen, dass für ihn einmal der Tag kommen würde, an dem er das Dorf seiner Vorfahren (Ihwo, Tur Abdin) besuchen und wiederaufbauen möchte.

 

Meine erste Frage an den Bischof lautete:

Hochwürden, könnt Ihr mir Euren Aufgabenbereich schildern?

– Für uns ist das Haus Gottes nicht nur ein kirchlicher Sonntagsbesuch, unsere Gemeindehäuser sind nicht nur Spielhäuser. Wir haben verschiedene Aufgabenbereiche, für die wir erst ein Komitee/Vereine nötig hatten. Dieses haben wir geschaffen und sind nunmehr tatkräftig mit größeren Aufgabenbereichen beschäftigt.

Unsere Kirche vergleiche ich mit einem Baum, der sehr unterschiedliche Wurzeln hat. Diese Wurzeln geben dem Baum die Kraft sich am Leben zu erhalten. Der Baum wiederum gibt uns schöne grüne Blätter. Es gibt Gemeinschaften/Vereine, die Kindern und Erwachsenen die Suryoyo-Sprache beibringen. Darüber hinaus gibt es auch Frauen- und gemeinnützige Vereine. Kurz gesagt, die Suryoyo Sprache, unsere kulturell verschiedenen Sprachen (Westliche Sprachen) werden unseren Glaubensmitgliedern durch diese Vereine vermittelt. Dafür haben wir mehr als 400 Menschen im Dienst. Wir sind auch sehr froh darüber, dass die Suryoyo Sprache im Irak in Ishtar unterrichtet wird. Auch Ashur TV strahlt seine Programme in der Suryoyo Sprache aus.

Hochwürden, welchen genauen Grund hat Ihr Besuch in Deutschland und in den Niederlanden?

– Wir sind hier her gekommen, um uns ein Bild von den Problemen zu machen, die es in Deutschland und in den Niederlanden gibt. Natürlich wollen wir diese auch vorbildlich lösen.

Wir sind auch hier, um zu sehen, wie Vereine ihre Aufgabenbereiche meistern und durchführen. Wir stellen uns jedoch die Frage, warum wird hier die Suryoyo-Sprache nicht unterrichtet, bei uns dagegen sehr wohl! Wir wissen auch, dass hier in den Kirchenvorständen mit Familiengruppierungen gearbeitet wird. Die Vorstände halten ellenlange Sitzungen ab und sind dabei absolut nicht produktiv. Einige von ihnen besetzen das Amt des Vorstandes schon 20 Jahre, aber was haben sie eigentlich für die Gemeinde getan? Die Gemeinden verlangen Klarheit über den Verbleib von Geldern, wofür werden diese verwendet? Kurz gesagt, Familiengruppierungen und diktatorische Verhalten in den Vorständen müssen umgehend gestoppt werden.

Hochwürden, die Bevölkerung möchte gerne von ihnen hören, wie die Situation in Deutschland aussehen wird. Wird ein Bischof oder werden sieben Bischöfe Deutschland zugeteilt?

– Als Bischof Isa Gurbuz das Bistum in Deutschland verlies, hat er uns einen Bericht über die Situation in Deutschland übermittelt. Er hat uns vermittelt, dass Deutschland ein sehr großes Land ist und es unmöglich sei für einen Bischof allein dieses zu leiten. Wir waren dort zu Besuch und haben dies untersucht. Wir mussten feststellen, dass Bischof Isa Gurbuz mit seiner Erkenntnis Recht hatte. Ich denke das zwei oder vier Bischöfe kommen werden, aber dies wird letztendlich während der heiligen Synode in Damaskus beschlossen.

Hochwürden, was können Sie uns über die Niederlande sagen?

– Wir sind nicht nur Leiter unserer Kirche, sondern auch Leiter unserer Gemeinschaften. Wir sind eine Bevölkerung mit Geschichte, wir haben Folklore, Kultur, eine alte Sprache. Wir haben eine gute Leitung nötig. Wir haben die Weltanschauung näher gebracht. Wir müssen verspreizt in den europäischen Ländern leben und nicht wie in einem Art von Getto. Wir müssen politisch mehr aktiv sein und einen Teil des westlichen Systems ausmachen. Nicht zu vergessen, dass wir es waren, die den Arabern die Sprache und das Schreiben vermittelt haben. Sogar das Zählen haben sie von uns erlernt. Aber wir sind keinesfalls Araber, sondern Suryoye.

Auf meine Frage erneute Frage über die Situation in den Niederlanden und der Bestimmung eines neuen Bischofs habe ich dann folgende Information erhalten.

– Diese Frage kann ich ihnen nicht beantworten. Diese wird vielleicht aber vielleicht auch nicht während der heiligen Synode zur Sprache gebracht. Es kann auch sein, dass der Patriarch ohne unsere Beratung einen Bischof schickt. Wie und wann das sein wird, kann ich ihnen ebenfalls nicht sagen.

 

Ich fragte den Bischof, ob er Kenntnis davon hat, wie es mit den Streitigkeiten über die Verlegung des Patriarchensitzes von Damaskus nach Tur Abdin aussieht!!!!

Daraufhin bekam ich eine lange Antwort und er vermittelt mir, dass man es aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten muss, warum sich der Sitz des Patriarchen in Damaskus befindet. Der Sitz muss sich in dem Land befinden, wo die größte Anzahl unserer Bevölkerung lebt, und zwar in der Hauptstadt dieses Landes. Dies ist auch sehr wichtig für Bischof Matta Roham, dass politische Herz muss nah an dem Sitz des Patriarchen sein.

Er hat mir über den Seyfo folgendes erzählt:

– Wir sind alle Kinder und Enkelkinder von gefallenen Seyfo-Opfern. Unser Volk wurde ermordet weil sie Christen waren, weil sie somit anders waren. Was mit unserem Volk geschehen ist, wollen und können wir nie vergessen. Die Mörder müssen sich für ihre Taten verantworten. Wir sind ein Volk reich an Geschichte und einer ewig alten Zivilisation und wir haben viele positive Beiträge geleistet um dies zu verstärken. Der Preis den wir hierfür bekommen sollten, hätte kein Völkermord sein dürfen. Dass die Mörder nicht erkennen, ist ein viel größerer Schmerz, als den Schmerz den wir erlitten hatten.

Hochwürden, wir sind ein Volk mit verschiedenen Problemen. Eines der Probleme ist der Konflikt wie wir uns selbst nennen. Ein Beispiel: In Schweden soll ein Monument/Denkmal gesetzt werden für die Schlachtopfer des Seyfo und die Schweden sind in Verlegenheit gebracht worden, weil sie nicht wissen, welchen Namen sie auf das Monument setzen sollen. Was sagen Sie hierzu und können uns raten?

– Im Osten nennen sie uns Suraya und im Westen nennen sie uns Suroye. Den Rat den ich geben kann ist der, dass die Schweden in deren Wörterbücher Suraya/Suroye übersetzt Assyrier/Syrianer oder eine von diesen beiden benutzen.

Zum Schluss sagte er noch:

Es gibt noch zwei andere Sachen die ich gerne erklären möchte. Sie wissen das Ihwo neben Arbo liegt und ich träume, Ihwo zu besuchen und das Dorf wiederaufleben zu lassen. Wer auch immer das Dorf aus Europa besuchen möchte, ist jederzeit willkommen in dem Haus meiner Vorfahren. Als zweites will ich den Umthonoye sagen, dass der Wunsch von Naum Faik, den ich bereits ausgelegt habe, auch in die Tat umgesetzt werden muss. Malfono Naum Faik war nicht irgend ein Gelehrter, sondern ein großer und wichtiger Gelehrter unserer Gemeinschaft.

Sabri Atman
Glane, 7 July 2006

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