17. Jahrestagung der Solidaritätsgruppe am 14./15.03.2009

Kirchenbesuch und Abendveranstaltung in der syrisch-orthodoxen Kirche am 15.03.2009

Die 17. Jahrestagung der „Solidaritätsgruppe Tur Abdin und Nordirak“ behandelte die aktuelle Situation der Christen im Tur Abdin und im Nordirak.

Zum Thema „Neue Probleme und Herausforderungen – wo sind wir gefordert?“ trafen am 13. – 14. März 2009 im Tagungshaus der Diakonissen Augsburg ca. 50 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern ein. Das Leitungsteam der Solidaritätsgruppe bestand aus Pfr. Horst Oberkampf, Kirchenrat Ernst-Ludwig Vatter, Dr. Shabo Talay und Frau Janet Abraham.

Der Tur Abdin wurde als Hauptschwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung gewählt. Man wollte aus erster Hand einiges über „Freud und Leid“ im Tur Abdin hören. Doch bevor man sich intensiver mit dem Tur Abdin beschäftigen sollte, wollten die Teilnehmer sich dem Tur Abdin langsam annähern und zunächst einen Blick auf die Türkei werfen und fragen, wie die politischen Veränderungen und Herausforderungen – politisch und religiös – die Situation der Christen betreffe und wie sie damit umgehen.

Dazu wurde eine kompetente Gesprächspartnerin eingeladen, Frau Amalia van Gent lebte viele Jahre in Istanbul und schrieb als Journalistin für die Neue Zürcher Zeitung über die Türkei. Sie berichtete über die gegenwärtigen Umbrüche durch den Regierungswechsel mit seinen Auswirkungen auf die Christen in der Türkei.

Zur besseren Verdeutlichung der Probleme Mar Gabriels mit dem Kataster- und dem Schatzamt zeigte Malphono Kuryakos Ergün eine Karte des Klosters und seiner Ländereien mit den angrenzenden Dörfern. Er berichtete über die Gerichtstermine, über Verhandlungen im Vorfeld und über Schikanen und Ängste. Die Situation sei sehr kompliziert aber man sei großer Hoffnung als Sieger der Auseinandersetzungen hervorzutreten. Positive Zeichen der Türkei seien auch zu sehen. So konnten beispielsweise mehrere Tausend Assyrer aus Syrien ohne Visaschwierigkeiten zum großen Fest in den Tur Abdin kommen.

Aus dem Kloster Deyrulzafaran war Erzbischof Philoxenos Saliba Özmen angereist und zeigte in seinem Vortrag die positivere und entwicklungsfähige Türkei. Man müsse beide Seiten der Medaille sehen und nicht nur das Negative darstellen. Die Türkei, die sich zwar im Schildkrötentempo bewege, sei in einigen Bereichen bereit sich zu verändern. Die Meinungsfreiheit sei stärker ausgeprägt und die Minderheiten wie Kurden hätten größere Rechte als noch vor 10 Jahren. Für die Assyrer sei der größte Fortschritt der Beschluss von Ministerpräsident Erdogan die Einrichtung eines Lehrstuhls für syrische Sprache und Kultur in Mardin. Sehr erfreulich sei für die Assyrer auch, dass es in Mardin ein Treffen der verschiedenen Kirchen syrischer Tradition gab.

„In Mardin wurden die Kirchen getrennt – vielleicht können wir sie in Mardin wieder vereinen.“ war ein wichtiges Zitat des Erzbischofs.

Am Abend wurde eine vorbereitete Resolution der 17. Jahrestagung zur Situation der Syrisch-Orthodoxen und besonders des Klosters Mor Gabriel in der Türkei verteilt, die am folgenden Tag diskutiert und mit einigen Änderungen verabschiedet wurde.

Der zweite Tag der Tagung behandelte das Thema Nordirak. Pfr. Horst Oberkampf informierte die Teilnehmer über die Beobachtungen vom Besuch der Kirchlichen Delegation im Juni 2008. Es wurde aktuelle Situation der Christen im Nordirak beschrieben, die laufenden Projekte geschildert und über die Zukunft der Christen im Irak diskutiert.

Am Abend des zweiten Tages gab es einen Gottesdienst in der syrisch-orthodoxen Marienkirche in Augsburg.

Der Abschluss des Wochenendes war eine informative Veranstaltung des assyrischen Mesopotamien Verein Augsburg für Personen, die die Jahrestagung nicht besuchen konnten. Im Kirchensaal der Marienkirche wurde Interessierten die Situation von Mar Gabriel von Malphono Kuryakos Ergün erklärt, Erzbischof Philoxenos Saliba Özmen stellte das Projekt Lehrstuhl für syrische Sprache und Kultur in Mardin und Pfr. Horst Oberkampf sein neues Buch „Im Blickpunkt – Christen im Nordirak“ vor, das über den Zentralverband der Assyrer (zavd@bethnahrin.de) bezogen werden kann.

Shlemun Shushe (für bethnahrin.de)

 

 

 

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