Assyrer werden im Dorf Kafro angegriffen

Brief des ZAVD an das Ministerium für nationale Sicherheit

Der Zentralverband der assyrischen Vereinigungen in Deutschland und europäische Sektionen e. V. hatte am 10.05.2003 zu den Übergriffen auf Assyrer in Kafro (Turabdin) Stellung genommen. Lesen Sie hier den Offenen Brief, der an das türkische Sicherheitsministerium versand wurde.

Ministerium für die nationale Sicherheit
Hauptsekretariat
Eskisehir Yolu, 9ncu Km.
TR – Ankara/Türkei

Augsburg, 10.05.2003

Die seit etwa 25 Jahren in Deutschland, Schweiz und anderen europäischen Ländern lebenden Dorfbewohner von Elbeğendi (Kafro Tahtayto), Provinz Mardin, Distrikt Midyat bereiten sich seit zwei Jahren vor, in ihre Heimat zurückzukehren. Sie denken an moderne Neubauten und Häuser mit Komfort, jedoch wollen sie dabei die alte Struktur des Dorfes nicht berühren. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird für diesen Neubau der Grundstein am 17. – 20. Mai gelegt werden. Damit das Dorf wieder belebt wird und die Leute in ihr Dorf zurückkehren können, hat sich die öffentliche Verwaltung (Zivil- und Militärverwaltung) der Provinz Mardin stark eingesetzt. Wir, die Assyrer, Bürger der türkischen Republik, welche in Deutschland leben, wissen dieses Vorgehen der Behörden zu schätzen. Jedoch erhielten wir am 20.04.2003 eine traurige Nachricht aus unserer Gegend und Dorf. Die Nachricht hat uns sehr beunruhigt. Um unser Dorf wieder zu beleben und die Felder und Weinberge zu pflügen und zu bebauen und mit den Bauvorbereitung anzufangen, sind zwei junge Assyrer aus Deutschland ins Dorf zurückgekehrt. Unglücklicherweise wurden sie von 8 – 10 jungen Menschen aus dem Nachbardorf Pelitli in ihrem eigenen Dorf Elbeğendi (Kafro Tahtayto) angegriffen. Die jungen Leute aus Pelitli haben mit Axt und Knüppeln auf die beiden Assyrer zugeschlagen. Einer der beiden heißt Nuri Demir. Man schlug ihm stark mit der Axt auf den Kopf. Um sich gegen diesen geplanten Angriff zu wehren, griff er zum Jagdgewehr und schoss auf die Angreifer, sodass zwei von ihnen verletzt wurden. Ohne Verzögerung kamen die Gandarmen des Distrikt Midyat zum Tatort um die Auseinandersetzung unter Kontrolle zu bringen. Die Dorfschützer aus dem Dorf Pelitli kamen ebenfalls mit ihren Waffen herbei und es sah aus, als ob sie mitmischen wollten. Jedoch entwaffneten die anwesenden Gandarmen diese und verhinderten damit ein Ausbreiten dieser geplanten Schlägerei. Der Fall wurde der Bezirksanwaltschaft von Midyat vorgelegt. Nuri Demir sitzt immer noch im Gefängnis. Einer, der mit Nuri Demir verletzten Angreifer ist bereits entlassen worden.

Wir beurteilen diesen Angriff als unmenschlich und es ist ein schwerer Rückschlag für die Rückkehr unserer Leute aus Europa in ihre Heimat und Dörfer. Wir erwarten vom Staat, dass er gegen so etwas vorgeht. Um die Rückkehr unserer Leute in die Heimat zu fördern, hat der Ex – Ministerpräsident, Bülent Ecevit am 12.06.2001 speziell für die Assyrer ein Rundschreiben veröffentlicht. In diesem Rundschreiben steht „aus verschiedenen Gründen haben unsere assyrischen Bürger das Land verlassen, in Europa Asylgesuch eingereicht oder sich dort niedergelassen. Sie können in ihre Heimatdörfer zurückkehren; wir, der Staat geben ihnen Sicherheit und sie können alle Bürgerrechte ausüben,“ so Ecevit.

Die in Deutschland lebenden Assyrer wurden durch dieses Schreiben ermutigt und bereiten sich für die Rückkehr vor. Jedoch beunruhigt sie derzeit der oben erwähnte Vorfall. Es ist unsere Pflicht ihnen diese Beunruhigung mitzuteilen.

2. Sachverhalt: Das Dorf Kösrali (Hassana), der Provinz Sirnak, des Distrikt Silope ist seit November 1993 menschenleer. Die Mehrheit der Dorfbewohner ist in die europäischen Länder ausgewandert. Jedoch sind auch einige Familien in Istanbul und Midyat geblieben. Die Dorfbewohner der umliegenden Dörfer um Kösrali herum haben einerseits ihre Gärten für sich verwendet und andererseits die bewässerten Felder und Gärten für sich bewirtschaftet. Die Behörden haben den Dorfbewohnern von Kösrali untersagt ihre Felder bewirtschaften zu lassen. Am 6. Mai 2003 haben

4 –5 Hirten 1000 –1500 Kleinvieh auf Weideplätze des Dorfes weiden lassen als ob sie diese als Geschenk erhalten hätten. Es wurde gegen drei der Hirten und Viehbesitzer bei der Staatsanwaltschaft von Silope eine Anklage erhoben und dann der Gandermarie von Silope weitergegeben.. Es ist unbegreiflich, dass solche Leute mit ihrem Vieh unversehen und frei auf unseren Weideplätzen weiden können. Obwohl die Dorfbewohner noch immer nicht in ihr Dorf zurückkehren dürfen. Solche Ereignisse beunruhigen unsere Leute in Europa als auch diejenigen in der Heimat. Damit solche Fälle sich nicht wiederholen, möchten wir es ihnen mitteilen. Außerdem wirken sich rechtzeitige Maßnahmen gegen solche Vorfälle positiv auf die Rückkehrpläne aus.

Wir, als Föderation, befürworten und unterstützen genauso wie die türkische Regierung die Rückkehr in die Heimat, weil wir in der Heimat unsere Hunderttausend Jahre alte Kultur, unsere Kirchen und Landbesitz haben. Auch wenn wir in Europa leben unsere Herzen schlagen für die Heimat. Denn alle unsere Träume und Hoffnung sind in der Heimat. Aus verschiedenen Gründen der letzten Zeiten leben wir in der Diaspora. Erst wenn in Zukunft die Lage in unserer Gegend stabil wird und Sicherheit herrscht, wird die Rückkehr unserer Leute zunehmen und die Assyrische Bevölkerung in dieser Gegend steigen.

Wir sind davon überzeugt, dass unser Rechtstaat solche negativen Vorfälle auf der internationalen Plattform nicht haben möchte. Deswegen sollten solche Vorfälle genau untersucht und in Zukunft solche und ähnliche Vorfälle vermieden werden. Wir bitten Sie und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen um die leeren Assyrischen Dörfer rechtlich zu schützten.

Sait Demir

Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und europ. Sektionen

(Übersetzt aus dem Türkischen durch Andreas Sefere)

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