Der „Arabische Frühling“

Tagung im „Heiligenhof“ bringt viele neue Aspekte

Der „Arbeitskreis Volksgruppen und Minderheiten“ veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus (INTEREG) vom 22. - 24. Februar 2013 in der Bad Kissinger Bildungs- und Begegnungsstätte „Heiligenhof“ eine Tagung zur Situation der orientalischen Christen vor dem Hintergrund des „Arabischen Frühlings“ unter der Leitung von Dr. Meinolf Arens des Trägerverein e.V. .

Ausgewählte Orientexperten, unter anderem auch die armenische Orientalistikprofessorin Dr. Armenuhi Drost-Abgajan, der 2. Vorsitzende der Assyrischen Demokratischen Organisation Issa Hanna, sowie der aus Jerusalem stammende Journalist Dr. Josef Croituru beleuchteten die Entwicklungen unter verschiedenen Aspekten.

Gegenwärtig gibt es im orientalischen Raum kein Thema, das mehr Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erfordert als die Entwicklungen des sog. „Arabischen Frühlings“ und die damit verbundene drohende Ausrottung der indigenen Christen. Doch sind die Berichterstattungen in den Medien zu spärlich, um ein realistisches Bild über die tatsächliche Lage im Nahen und Mittleren Osten zu liefern. Über die Situation der christlichen Minderheiten dringt kaum etwas an die Öffentlichkeit.

Umso stärker war das Interesse am Seminar zu dieser Thematik in der Bad Kissinger Bildungs- und Begegnungsstätte „Heiligenhof“. Rund 46 Teilnehmer konnten die Organisatoren, der „Arbeitskreis Volksgruppen und Minderheiten“ und „INTEREG“ verzeichnen. Moderiert wurde die Tagung von Dr. Meinolf Arens vom Trägerverein e.V.

Nicht nur im Kontext gegenwärtiger Zusammenhänge, sondern auch im Hinblick auf geschichtliche Hintergründe, schaffte der Nürnberger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Rudolf Grulich zum Einstieg in die Thematik einen weiträumigen Überblick über die christlichen Konfessionen im Nahen und Mittleren Osten wie auch in Asien. Dabei verwies er auf die beinahe Unmöglichkeit, alle christlichen Gruppierungen zusammenzufassen, da viele auch von außen in die orientalischen Länder gekommen waren und sich dort verbreitet hatten. Wesentlich sei jedoch die Betrachtung der christlichen Assyrer, die in ihrer Urheimat leben und diese Vielfalt erst geschaffen hätten.

Aus einer historisch-kritischen Sichtweise beleuchtete des Religionswissenschaftlers Prof. Dr. Karl-Heinz Ohlig die Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte des Islam sowie des Korans. Man könne sich nur auf die zeitgenössischen Quellen als einzige Möglichkeit stützen, um an die damaligen Entwicklungen heranzukommen, sagte er. Ebenso beschrieb Prof. Dr. Piotr Scholz, Professor für Orientalistik und Kunsthistoriker aus Lublin in seinem Thema, „Isolationismus der orientalischen Christen als Phänomen oder gewollte Entscheidung“ die historischen Entwicklungen aus einer anderen Perspektive.

Wie die armenische Orientalistin Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgajan berichtete, würden gerade im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen des „Arabischen Frühlings“ mittlerweile auch die armenischen Christen, wie alle anderen Christen, zu Tausenden ihre Kulturzentren in Syrien und Aleppo aufgrund der Verunsicherung durch die Neuordnung der politischen Kräfte verlassen. Sie erläuterte, dass viele der Armenier von den Flüchtlingen des Genozids abstammen, die nach Syrien geflohen waren, in der Hoffnung, wieder in die Heimat zurückzukehren. Bereits während des 2. Golfkrieges hatte es schon einmal einen Exodus der Armenier gegeben. Die Referentin wies darauf hin, dass durch neue islamisch geprägte Verfassungen, wie es in Ägypten der Fall sei, Frauen, Minderheiten und Glaubensgemeinschaften unterdrückt werden können. Trotz der demokratischen Kräfte stünden dort wieder Paragraphen, die die Rechte von Minderheiten und Frauen beschneiden.

Für Issa Hanna, den 2. Vorsitzenden der Assyrischen Demokratischen Organisation existieren im Hinblick auf seine Landsleute in Syrien nur zwei Möglichkeiten, entweder in der Heimat zu bleiben, oder auszuwandern. Eine dritte Wahlmöglichkeit gebe es nicht, sagte er. Der ADO-Vorsitzende stellte den Tagungsteilnehmern vier wesentliche Punkte vor, wie sich für die Assyrer ein neues Syrien gestalten sollte. Zum einen die Berücksichtigung der Vielfältigkeit Syriens und Verhinderung jeder Form von Tyrannei, desweiteren die Schaffung eines zivilen und säkularen Staates, die Einhaltung von Gruppen- und Individualrechten sowie als vierter Punkt die Schaffung allgemeiner Prinzipien für das politische und gesellschaftliche Leben und die Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung in einem neuen Syrien. Schließlich appellierte Hanna, sich mehr für die Belange des assyrischen Volkes einzusetzen und es darin zu unterstützen, nicht entwurzelt oder ausgerottet zu werden.

Der Jerusalemer Journalist Josef Croitoru, (Feuilletonist der FAZ, NZZ) beurteilte die Lage der koptischen Christen in Ägypten keineswegs so besorgniserregend, wie es nach außen hin vermittelt werde. Für ihn sei der verstorbene Papst Shenouda III verantwortlich für die aggressive Haltung der Muslime gegen die christliche Bevölkerung. Shenouda habe als strenger Patriarch gegen die Öffnung der Kirche gearbeitet. Croitoru beschrieb in seinen Ausführungen ein Wechselbad zwischen Korruption und Gewaltbereitschaft der koptischen Kirche. Im Gegensatz zur syrischen Revolution sähen sich alle Kopten als Ägypter und seien sehr begeisterungsfähig für einen Wandel. Man müsse die Entwicklungen abwarten.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden noch einmal alle Haltungen diskutiert und Fragen der Teilnehmer eingehend beantwortet.

Von Marianne Brückl

Ein ausführlicher Bericht zur Tagung folgt.

Spenden für Syrien – Sie retten Leben

Das Elend der syrischen Bevölkerung wird von Tag zu Tag größer. Doch noch immer reichen die Spenden längst nicht aus, um diese Not nur ansatzweise zu lindern.

Der bereits seit über 22 Monate andauernde Bürgerkrieg in Syrien fordert immer mehr Menschenleben. Besonders betroffen ist die christliche Bevölkerung, die zunehmend zwischen die Fronten gerät. Die unschuldige Bevölkerung ist mehr denn je auf Spenden angewiesen, um in der Heimat überleben zu können.

Lebensmittel sind unerschwinglich geworden, die Bevölkerung leidet an Hunger, Kälte, Mangel an warmer Kleidung und medizinischer Versorgung.
Daher bittet die ADO noch einmal eindringlich um Spenden für die in Not geratene Bevölkerung Syriens.

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Die ADO bedankt sich herzlich für alle bisher eingegangenen Geld- und Sachspenden, insbesondere auch dem Arbeiter Samariterbund (ASB).

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