Interesseweckender Vortrag über SEYFO

Malfono Sabri Atman in Giessen

Am Sonntag, dem 11. Juni 2006, fand in Pohlheim bei Giessen ein Vortragsabend über den Völkermord SEYFO von 1915 statt. Der Vortrag wurde durch den Referenten Sabri Atman gehalten. Zahlreiche Interessierte nahmen an der Veranstaltung im Gemeindesaal „Mor Eliyo“ in Pohlheim teil.

Sabri Atman erhielt ein positives Feedback, der noch lange nach dem eigentlichen Vortrag die Fragen der Zuhörer beantwortete, wodurch eine rege Diskussion entfacht wurde. Das Publikum insgesamt wurde durch den Vortrag von Sabri Atman mitgerissen und erweckte sein Mitgefühl. Die Resonanz war daher enorm und der Veranstalter wird sich bemühen, in Zukunft ähnliche Veranstaltungen zu organisieren.

Gedicht zum Thema Seyfo dazu: siehe unten (nach den Bildern)

 

 S e y f o

 Es ist über 90 Jahre her
Jedoch trage ich noch’ne große Wunde in mir
Schuld hat wer?
Erblicke in den Spiegel, fasse an meine linke Brust
„Der Schmerz haust genau hier!“
So zu leben ist für mich schwer!

Über 47.000 Tote in
Urmia, Gulpashan, Margawar und Salamas
Das zu hören erweckt in meinem Leibe Hass
Nach der Flucht aus Urmia
heimtückisch die NOCH Lebenden in Hakkari erstochen
Deren Geist nie gebrochen, geschweige denn erloschen!

Mindestens 250.000 starben in Tur Abdin zentral
So viele wurden Zeugen einer barbarischen Qual
100.000de Opfer in Urhoy und Umgebung!
Des öfteren wurden vergewaltigt Frauen
vor ihren Ehemännern
Ihre Gatten flehten und baten –trotz UNSCHULD- um Vergebung
Doch die Zerstörungslust des Peinigers war zu groß
Verschont wurde kein Ort, auch nicht Harput
Gemordet, geplündert
Betrachteten alles als ihr Hab und Gut
Diese Verse entfachen in mir eine grausame Glut
Am liebsten würd’ ich sie in eruptiertes Magma ertränken lassen
Grausamer als Enlils Sintflut

80.000 wurden niedergemetzelt in Wan
Ich würde – wenn ich die Befugnis hätte
Lebenslänglich einsperren, euren ganzen mordenden Clan
Hinzu kommen mehr als 63.000 Eliminierungen im Bezirk Omid
Wieso? Wieso nur?
Diese Menschen waren mein Fleisch
An Menschlichkeit, Nächstliebe waren sie reich
Diese Menschen waren mein Blut
So friedlich und gut
Ihre Herzen waren nicht hart wie Stein
Ihre Herzen waren nicht hart wie Stahl
Ihre Herzen waren weich

Sind das nicht genug Opfer gewesen?
Mein Bruder und ich haben die Opfer Statistiken gelesen
Mit bitteren Tränen in den Augen schreib’ ich folglich diese Zeilen
Und es folgten die nächsten Morde in Beth’Nahrin

Etwa 80.000 starben in Mar-Din
Oktober 1914; steckten sie dem Diakon von Barwar
glühende Kohle in den Mund
Behandelten ihn noch schlimmer als ein Hund
Seinen Körper konnten sie ihm rauben
Seine Seele musste niemals daran glauben

38.000 massakriert im Bezirk von Bit-lis
„Hände weg!“ Waren die letzen Worte der schreienden Mutter
bevor sie Ihre Tochter Shamiram verließ
Nun verstehe ich, wenn der heutige Patriot, Sabri Atman ruft
„Ich verspüre den Schmerz in den Tiefen meines Herzens“

Ein Freund gab mir vor fünf Jahren ein Buch über den SEYFO
und fügte hin zu
„Mein Bruder, nimm das, erwache, und lies“

Mossul, 45.000 geschlachtet
Vandalen, mit falschem Stolz gefüllt
Habt eure Schwerter erhoben und lachtet
Aus den heiligen Totenköpfen
meines Volkes habt ihr Souvenirs gemacht
Wie habt ihr so was nur übers Herz gebracht
Ach ja –– vergessen, ihr besitzt ja keins!

Doch ! Eins aus luzifanischer Dunkelheit
Ich weiß nicht was ihr seid
Normale Menschen? Nein, keineswegs!
Jetzt weiss ich’s, ihr seid satanische Wesen

Ich vergesse auch nicht die 25.000 Exekutionen
im Bezirk Sivas
Befinde mich zwischen den Ermordeten und Verwundeten
Aus Ihnen quillt das Blut, voller Trauer
Selbst der Himmel weint, er wird grauer
Mein tränendes Gesicht wasch’ in Blut!
In mir entflammt sich Wut
Zeige mit meinem Blut verschmiertem Finger
auf eure Fahne und rufe
„Schaut! Schaut her Menschheit! Sie war’s“

13.000 in Karadscha-Dar
Ferner 25.000 in Siirt wurden kaltblütig hingerichtet
Über 800.000 meiner Brüder und Schwestern habt ihr vernichtet
Der Euphrat und Tigris –rot verfärbt-
waren mit sakralem christlichem Blut getränkt
Ihr habt sie niedergemetzelt, geschlachtet, gefoltert, erstochen, geplündert, geschändet, gehängt

War das nicht genug?
Am 7. August im Jahre 1933 wurden erneut
Tausende Körper in Simele erloschen
Vergesst nicht! Die Schmerzen unserer Märtyrer werden wir erben
Unvergessliches Leid begleitet uns
Schmerzhafter als eine stechende Magenfülle von Scherben
Wir werden es ständig weitererben!

Diakon Jonathan Saul, hatte in den Bränden alles verloren
Rannte trotz des gewaltigen Feuers ins Haus
Flammen hier und da, er musste schleunigst wieder raus
Was geschah war ihm klar
Rettete aus dem Feuer eine Pistole
Um im Notfall sein Leben zu retten

Bäuche schwangerer Mütter
Habt ihr bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt
Den süßen unschuldigen Fötus
Mit eurem Schwert entfernt und gegen die Wände geschmissen
Fandet ihr das wahrhaftig klug, männerhaft und gerissen?
Das offenbart eure grausame Feig–heit
Im nächsten Leben erlangt ihr keine Frei–heit
Die Hölle werdet ihr betreten, befestigt in Ketten
Niemand wird euch retten

Unsere Märtyrer sind nicht in Vergessenheit geraten
Tief in unseren Herzen seid ihr eingeritzt
Ihr seid Brocken Gottes, vom Himmel gefallen
Eure Größe ist immenser als ein Meteorit

Prof. Ashur Yusef Mar Benyamin Shimun
Mar Toma Audo Dr. Freydun Athuraya
Malfono Naum Faik General Agha Petros
Malfono Benyamin Arsanis und Malfono Farid Nuzha

Ruhet in Frieden!!!

Eure Körper verwesen daher
Eure Seelen schwirren über das Land und Meer
Eure Knochen haben sie euch Gebrochen
Euer Blut floss durch den fruchtbaren Boden Assyriens

Was ist geblieben?
Eure Namen ! Die kann man nicht dieben
Eure Namen sind geprägt durch Unsterblichkeit
Eure Namen sind geprägt durch Gerechtigkeit
Die kann niemand tilgen

Wie Albert Schweitzer meint
„Das schönste Denkmal, dass ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen“
Und dieses Denkmal wurde euch errichtet
Das ist Tatsache, nicht erdichtet

Saliba

 

 

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