Assyrisches Neujahr 6765

Hauptthema Genozid beim diesjährigen Neujahrsempfang

Gestern, dem 26. April 2015, veranstaltete der Assyrische Mesopotamien Verein Augsburg seinen alljährlichen Neujahrsempfang, zu dem 150 Personen aus Politik, Kirche und Gesellschaft kamen. Hauptthema der diesjährigen traditionellen Feier war das dunkle Kapitel der Assyrer im 20ten Jahrhundert. Die Rede ist vom Völkermord an den Assyrern, Armeniern, Pontos-Griechen, im assyrischen "Seyfo" (Schwert) genannt.

„Herzlich Willkommen im Jahr 6765 – Shato Othureito brichto!“ mit einer kurzen Ansprache begrüßte der Vorsitzende des Assyrischen Mesopotamien Vereins Augsburg e.V., Aziz Akcan, die Gäste und ging in anschließend zum Motto des Empfanges über.

Alljährlich feiern weltweit die Assyrer (Suryoye) im April das Akitu-Fest, dessen Ursprünge auf die Gründung des Assur-Tempels in der antiken assyrischen Hauptstadt Assur 4750 v. Chr. zurückzuführen ist.

In diesem Jahr war das Hauptthema der sonst traditionell fröhlichen Feier dem Genozid an den Assyrern (auch bekannt als Aramäer bzw. Chaldäer), Armeniern, Pontos-Griechen und weiteren Minderheiten im Osmanischen Reich gewidmet. Nicht nur, weil sich der Genozid am 24. April 2015 zum hundertsten male jährte, sondern auch wegen der seit Tagen in Gesellschaft und Politik hitzig diskutierten Debatte, ob der Völkermord als Völkermord zu benennen ist. Wegen Rücksicht auf die Türkei vermied man vor Wochen vehement die Gräueltaten beim Namen zu nennen.

Am 23. April brach schließlich Joachim Gauck das Tabu und benannte es bei einer ökumenischen Gottesdienstfeier klar als Völkermord. Ein Tag später folgte der Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert und weitere Abgeordnete dem Beispiel des Bundespräsidenten. Angemahnt wurde ebenso die Mitschuld des alten Deutschen Reiches, welches zur Zeit des Genozides um 1915 militärischer Verbündeter des Osmanischen Reiches war und zumindest darüber informiert war, jedoch nicht handelte.

Assyrisches Neujahrsfest

26.04.2015 | Augsburg
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Auch die Redner des gestrigen Abends bezeichneten die Taten klar als Völkermord und forderten zugleich die Türkei auf, sich der eigenen Geschichte zu stellen, um einen Versöhnungsprozess mit den hinterbliebenen Opfern zu erleichtern. Dr. Volker Ullrich von der CSU setzte sich sogar für die Errichtung des vom Verein lang erwünschten Mahnmals in Augsburg ein. Ein Friedensprozess könne nicht stattfinden, in dem man die Wahrheit vertuscht.

Zu den Rednern gehörten Juri Heiser (Stadtrat, Vertreter des OB Dr. Kurt Gribl), Michael Grabow (Regionalbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern), Janet Abraham (Vertreterin des ZAVD) und Abdulmesih Bar Abraham (Vorsitzender des Kuratoriums der Yoken-Bar-Yoken Stiftung). Der Abend wurde von Tigris Demir moderiert.

Der Assyrische Mesopotamien Verein Augsburg bedankt sich herzlichst bei allen Helfern und Anwesenden.

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