Gemeinsame Erklärung von AGA, SKD und HDF

Türkischer EU-Minister vergleicht Anerkennung des Genozids (Seyfo) an Assyrern mit Masturbation

Bei einem Treffen mit assyrischen Organisationen in der schwedischen Hauptstadt warf der türkische EU-Minister Egemen Bağış in Gegenwart der türkischen Botschafterin Zergün Korutürk dem schwedischen Parlamentsabgeordneten Yilmaz Kerimo vor: "Was erreicht ihr Assyrer damit, dass ihr die Seyfo-Frage wie Masturbation in den Medien und im schwedischen Parlaments erhebt? Warum bezieht ihr die Pontosgriechen in diese Sache ein?“

Nach einem Augenblick des perplexen Schweigens im Versammlungsraum wandte sich Egemen Bağış der Botschafterin zu und entschuldigte sich bei ihr als Frau für seine Ausdrucksweise, nicht aber bei den assyrischen Vertretern. Der EU-Minister der Türkei ist schon der Vergangenheit durch seine dummdreiste Ausdrucksweise und Arroganz aufgefallen. Anfang 2012 provozierte er ganz im Geist und Stil des in der Schwer wegen Genozidleugnung verurteilten Linksnationalisten Doğu Perinçek das schweizerische Rechtssystem, indem er öffentlich den Völkermord an den Armeniern leugnete – wohl wissend, dass er im Unterschied zu Perinçek aufgrund seiner Immunität straffrei ausgehen würde. Als der armenische Präsident Serge Sargsjan in Anspielung auf den Warschauer Kniefall von Willy Brandt die Hoffnung ausdrückte, dass eines Tages auch türkische Staatsvertreter am Jerewaner Genozidmahnmal knien würden, erteilte ihm E. Bağış am 11.12.2011 eine harsche Abfuhr:

“Kendini haylice aşan bir laf etmiş. Buradan yiğidin harman olduğu Kağıthane’den ona bir mesaj göndermek istiyorum. Sen milletini açlıktan, fakirlikten zaten dizinde derman bırakmayacak hale getirmişsin. Ermenistan’ın nüfusu açlıktan 4 milyondan 2 milyona düştü. İnsanlar dünyanın dört bir yanına kaçıyor. Bir kısmı bizim ülkemize de geldi. Burada bizim çocuklarımıza, yaşlılarımıza bakan bakıcı olarak çalışıyor. Bu da Türk milletinin gönlünün ne kadar geniş olduğunun göstergesidir. Bizim de kendisine bir cevap vermemiz gerekiyorsa. Türklere, diz çökertmek kimsenin haddi değildir. Aslında onlara cevap verilecek çok güzel atasözlerimiz var ama… Bundan kimsenin şüphesi olmasın, bu millete karşı şuursuzluğu dize getirmeyi de biz çok iyi biliriz.“

(Quelle: Webseite der AKP)

“Er [der armenische Präsident] hat sich ziemlich überzogen geäußert. Hier vom Ort der Helden [der im Besitz der AKP befindlichen Cemal Kamacı Sport-Anlage] möchte ich ihm folgende Nachricht schicken: Du hast schon deine eigene Nation mit Hunger und Armut in eine Lage versetzt, dass sie nicht mehr aufrecht stehen kann. Aus Hunger sank die Bevölkerung Armeniens von 4 auf 2 Millionen. Die Menschen flüchten und sind über die ganze Welt zerstreut. Ein Teil kam auch in unser Land. Hier betreuen sie unsere Kinder und Alten. Dies ist ein Beleg dafür, wie großherzig die türkische Nation ist. Wenn wir ihm eine Antwort erteilen sollen, dann die: Niemand wird es gelingen, die Türken in die Knie zu zwingen. Tatsächlich können wir mit unseren treffenden Redensarten antworten, jedoch… Niemand sollte daran zweifeln, dass wir ganz genau wissen, wie wir sämtlichen Irrsinn gegen unsere Nation in die Knie zwingen.“

Mit seinen eigenen Landsleuten geht das enfant terrible der türkischen Ministerriege womöglich noch grober um. Am 6. März 2012 beschimpfte E. Bağış in einem Radio-Interview mit der BBC die politisch in der Türkei verfolgten Journalisten und Schriftsteller als Erpresser, Räuber, Vergewaltiger und Mörder.

Aus Anlass der jüngsten Entgleisung des türkischen EU-Ministers erklären die Arbeitsgruppe Anerkennung, der Verein der Völkermordgegner e.V. (SKD) sowie das Hrant Dink-Forum Berlin gemeinsam:

„Mit Befremden und Empörung stellen wir fest, dass der türkische EU-Minister Egemen Bağış zum wiederholten Mal die historische Tatsache des Genozids an osmanischen Christen nicht nur leugnet, sondern dies in provokanter, für die Nachfahren überlebender Opfer zutiefst beleidigender Weise tut. Damit disqualifiziert sich E. Bağış für das von ihm ausgeübte Amt eines EU-Ministers. In Europa gehört die selbstkritische staatliche und gesellschaftliche Aufarbeitung vergangener Staatsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschheit zum menschenrechtlichen Standard. Ebenso selbstverständlich ist höfliches Verhalten gegenüber Vertretern von ethno-religiösen Minderheiten, die mit Gewalt und Terror aus ihrem einstigen Siedlungsgebiet in der Türkei vertrieben wurden und mit denen der türkische Staat jetzt ins Gespräch zu kommen wünscht.

Denn vor fast einem Jahr berichteten verschiedene Quellen, dass Vertreter des türkischen Staates ‚mit der Diaspora in Kontakt treten würden und mit ‚kooperationsbereiten ‘ Personen zusammen arbeiten wollten ‘. Die Kontaktaufnahme und der Gesprächsverlauf solcher Begegnungen zeigen aber, dass türkische Staatsvertreter nach feudaler Gutsherrenart auftreten und von ‚ihren Minderheiten‘ offenbar Gefolgschaftsdienste erwarten, statt sie als freie Bürger/Innen souveräner europäischer Staaten zu sehen.

Der bisherige Verlauf der vollmundig angekündigten ‚fruchtbaren Zusammenarbeit‘ türkischer Staatsvertreter mit armenischen und assyrischen Diasporaorganisationen bzw. –vertretern ist deshalb auch für die Türkei kontraproduktiv.

Wir erwarten von E. Bağış bzw. von seiner Regierung eine förmliche Entschuldigung bei Yilmaz Kerimo und der assyrischen Gemeinschaft in Schweden für seine durch nichts zu rechtfertigende Beleidung und Entgleisung.“

Quelle: AGA Online

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