Interview mit Sabri Atman

Hasyo Cicek sagte zu mir: „Sie belasten mich“

Im Rahmen der Delegiertenversammlung des ZAVD hatte bethnahrin.de kurz die Möglichkeit mit Sabri Atman ein Interview zu führen. Wir haben uns hier auf zwei Themen konzentriert: Den Seyfo und den Tod von Hasyo Cicek

Bethnahrin.de: Kannst du uns sagen wer Sabri Atman ist, seit wann du dich mit dem Thema „Seyfo“ beschäftigst und wieso gerade dieses Thema dich fasziniert.

Sabri Atman: Seit ca. 15 Jahren beschäftige ich mich mit assyrischen Themen, habe in diversen Zeitschriften publiziert und Bücher veröffentlicht. Je mehr ich über das Thema „Seyfo“ lese, desto mehr sehe ich die vorhandenen Defizite. Viele Gründe unserer heutigen Probleme sind eng verbunden mit dem Genozid an den Assyrern. Die Türkei, die den Völkermord bis zum heutigen Tag leugnet, spornt mich dadurch noch mehr an für die Anerkennung zu kämpfen.

b.de: Wie siehst du die Zersplitterung innerhalb der assyrischen Gesellschaft? Glaubst du, dass die Kenntnis über den Seyfo uns als Volk einen kann, damit wir mit einer kräftigen Stimme nach außen dringen?

S. A.: Die Namensproblematik dient unserer gesamten Arbeit nicht besonders, aber das gemeinsame Wissen um den Genozid kann unser Volk zu einer Einheit führen. Ich habe große Hoffnung darin, dass man für die Anerkennung des Völkermords arbeiten kann egal wie man sich bezeichnet.

b.de: Brauchen wir assyrische Seyfo-Spezialisten oder reichen uns die externen Fachleute?

S. A.: Unser Volk muss sich der Thematik annehmen und wissenschaftlich bearbeiten. Auch Nicht-Assyrer sind uns herzlich willkommen. Sie müssen aber wissen, dass Seyfo das Thema der Assyrer ist. Es steht an erster Stelle für die Identität der Assyrer.

b.de: Wir wollen nun auf ein ganz anderes Thema eingehen: Das bekannte assyrische Magazin Zinda titelt aktuell: „Was Bishop Cicek murdered? – Wurde Bischof Cicek ermordet?“ Kannst du uns dazu etwas berichten?

S. A.: Es wird in Zukunft bestimmt mehr darüber gesprochen werden. Ich möchte dazu sagen, dass ich nicht erstaunt wäre, wenn das Grab von Hasyo Cicek für Autopsiezwecke geöffnet wird. Es gibt verborgene Dinge, die Hasyo Cicek veröffentlichen wollte. Welche das sind wird die Zukunft zeigen. Genauer möchte ich darauf nicht eingehen.

b.de: Du hast mit Hasyo Cicek ein Interview zwei Tage vor dessen Tod geführt [siehe dazu auch http://www.bethnahrin.nl/LastinterviewwithHasyoJuliusCicekbySabriAtman.wmv]. Wie hast du ihn in Erinnerung?

Last interview with Hasyo Julius Cicek by Sabri Atman

S. A.: Das Interview mit ihm habe ich gegen Mittag geführt und am Abend sprach ich ein letztes Mal mit ihm. Wir gingen auf seinen Wunsch hin gemeinsam einen engen Weg. Er sagte: „Sie belasten mich“. Wen er genau damit meinte konnte er mir nicht sagen, denn er wurde ins Kloster gerufen. Es war leider das letzte Gespräch, das ich mit ihm geführt hatte. In einem anderen Gespräch einige Wochen vor seinem Tod wies er mich hin, dass er Dinge wisse, die andere nicht wissen: „Ich möchte nach Schweden und die Angelegenheit im Fernsehen publik machen“. Er kam leider nicht mehr dazu.

b.de: Dein geführtes Interview war vielen Assyrern zu unkritisch, da bekannt ist, dass Hasyo Cicek jahrelang die Assyrische Bewegung bekämpf und die Assyrer aus der Kirche verbannt hat. Du hast ihm nicht widersprochen, als er dies leugnete.

S. A.: Ich hatte vor durch bessere Beziehung mit ihm ihn zur neutralen Haltung zu bewegen und die Assyrer zu akzeptieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass er noch mehr auf uns zugegangen wäre, wenn er mehr Zeit gehabt hätte. Ich betrachte ihn als einen der ehrlicheren Bischöfe innerhalb der Kirche. Er hat beispielsweise im Interview energisch dagegen gesprochen, dass einige Bischöfe uns als Araber bezeichnen.

b.de: Es fällt auf, dass im Interview wenig auf Details eingegangen wird.

S. A.: Richtig, ich hatte vor ihn öfters zu besuchen. Durch meine jahrelange Erfahrung kann ich sagen, dass die Kirche bis zum heutigen Tag immer noch viel Macht bei den Assyrern hat. Anstatt von ihr bekämpft zu werden, muss man sie für sich gewinnen. Eines Tages besuchte ich Hasyo Cicek mit der Überzeugung ihn für den Kampf der Anerkennung des Genozid zu gewinnen. Nach drei Stunden intensiver Diskussion versprach er es mir. Die Kirche muss in den Aktivitäten eingebunden werden. Wir sind ein Volk und müssen mit einer Stimme auftreten. Wir müssen aktiver sein. Der Seyfo ist die Angelegenheit aller Assyrer.

b.de: Taudi sagi für das Interview.

S. A.: Lomede.

[Das Interview wurde in assyrischer Sprache geführt]

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