Islamisierung

Brennpunkt Arabische Welt

Zunehmend manifestieren sich die islamistischen Kräfte in der arabischen Welt. Durch diese Entwicklung wird der Weg hin zu mehr Demokratie und Gleichberechtigung der Menschen versperrt, noch bevor er sich öffnen konnte. Geschickt gelenkt durch ein mittlerweile weltweit agierendes, undurchschaubares Netzwerk der religiösen Fanatiker des Islam, drehen sich die Machtverhältnisse rasant. Die Islamisierung nicht nur der gesamten Arabischen Welt ist zum Greifen nah, sondern auch die Rechtlosigkeit der Frauen und ethnischer wie religiöser Minderheiten eine ernstzunehmende Zukunftsperspektive.

„Als erste werden die Frauen ins Visier genommen werden. Die Situation von Christen, Intellektuellen und sozialen Randgruppen wird sich wie in Algerien und Ägypten verschlechtern, wo Verfolgung bereits um sich greift.“, das schreibt der algerische Schriftsteller mit frankophonen Wurzeln, Boualem Sansal, in einem ZEIT-Artikel vom 18. Juli 2012. „Die Beziehungen zum Westen werden schwierig sein. Die Islamisten machen die Unversöhnlichkeit ihm gegenüber zu einer Säule ihres Glaubens. Der siegreiche Islamismus und arabische Nationalismus werden sich gegenseitig befruchten und eine neue Identität stiften.“ Eine Befürchtung, die sich angesichts der bisherigen Erfahrungswerte in den vom Islam dominierten Ländern nur schwer widerlegen lässt.

Säureangriff oder Verschleierung als Alternative

„In Ägypten postieren sich jetzt die Salafisten bereits vor Kirchenportalen und drohen den Frauen mit Säureangriffen auf ihre Gesichter, falls sie sich nicht verschleiern“, teilte der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian aktuell zur Lage in seiner Heimat mit. Auch muslimische Frauen, die keine Burka tragen, seien betroffen. Sie würden mit Schlägen und schlechter Behandlung bestraft. Zudem gebe es jetzt einen offiziellen TV-Sender, bei dem die Frauen nur noch in Vollverschleierung arbeiten dürfen. „Man sieht weder die Hände oder das Gesicht, sondern nur noch Augenschlitze.“, sagt Anba Damian. Eine absolut besorgniserregende Entwicklung, die zunehmend Oberhand gewinnt. Was der Bischof heute berichtet, ist nur die Weiterführung dessen, was auch Sansal in seinem Artikel schildert. Menschen, die den Islam nicht anerkennen, sind den islamistischen Fundamentalisten hilflos ausgeliefert. Entweder sie ergreifen die Flucht oder werden im Namen Allahs getötet, entführt, entstellt, zwangsislamisiert.

Koran und Scharia für islamistische Moralvorstellungen

Für Sansal steht in seiner Einschätzung über die Regierungsfähigkeit der Moslembrüder eines fest, nämlich, dass die Islamisten nicht nur undemokratisch regieren werden, sondern auch ihre Moralvorstellungen streng nach Koran und Scharia durchsetzen wollen. Es sind erschreckende Tatsachen, die der Schriftsteller offenlegt. So regiert der Islamismus nicht nur Staaten, sondern kontrolliert insgesamt eine Bevölkerung von rd. 350 Mio. Menschen. Nicht mitgerechnet die in Europa lebenden Migranten und die afrikanischen Nachbarn, die seinem Einfluss ausgesetzt und manipulierbar sind. Es ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine unumstößliche Tatsache, vor der zu viele Bürger und Politiker in westlichen Ländern die Augen verschließen, dass der religiöse Fanatismus sich unkontrolliert ausbreiten kann, weil es kaum Gegenwehr gibt.

Demokratische Wahlen – Beruhigungspille für den Westen

Um sein Ziel zu erreichen, bedient sich der Islamismus laut Boualem Sansal völlig legitimer Mittel wie der „demokratischen“ Wahlen, die für die westliche Gesellschaft das Maß für die richtige Richtung im Rahmen einer Demokratisierung darstellen und international auch als solches anerkannt werden. Eine Beruhigungspille, die in jedem Falle wirkt. Die Schläfrigkeit dauert an und verhindert eine objektive Betrachtung durch Gutmenschentum und Euphorie. Die Folgen zeigen sich in Ägypten, wo nach der „demokratischen“ Wahl von Muhammad Mursi dem Jihad nun offen Rechnung getragen wird. Hier rufen die muslimischen Organisationen offen zum Genozid an den Christen auf.

Was noch gestern unter dem Deckmantel der Demokratie stand, hat sich heute bereits das Kleid des offenen Totalitarismus übergestreift. Die gefährliche Verbindung von Islamismus und Nationalismus, die der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011 ausgezeichnete Schriftsteller Sansal befürchtet, werde aber durch mangelndes Urteilsvermögen des Westens nicht wahrgenommen.

Ist Europa bereits „Haus des Krieges“?

Aber was, wenn die Wirkung der Droge „Sand-in-die-Augen-des-Westens“ nachlässt? Dann sind die Islamisten die rechtmäßig gewählten Wahlsieger und haben frei Hand, ihre radikale Politik zu verfolgen und auszuweiten. Damit würde nach Sansal der Weg frei, anstelle der Arabischen Liga die Staaten zukünftig in einer soliden islamistischen Union zu vereinen. Welche Gefahr sich dahinter verbirgt, liegt für ihn auf der Hand. „Er (der Islamismus) könnte mit dem Gedanken spielen, das mythische Dar al-Islam, das Haus des Islam, wieder zu errichten, das einst die arabische Welt regierte.“, schreibt er. Konsequenterweise wäre damit aber auch verbunden, alle nicht-islamischen Länder wieder als das Haus des Krieges (Dar al-Harb) zu betrachten. Eine Möglichkeit, die vom demokratischen Westen vehement negiert wird. Jedoch gelten alle Länder, die nicht der Scharia unterworfen sind, nach islamischem Recht unbestreitbar als »Haus des Krieges«. In diesem Haus gilt der Ausnahmezustand des Heiligen Krieges (Jihad). Aber was bedeutet das für die Andersgläubigen, für die Nicht-Muslime (Kuffar), im Klartext? Dem Muslim ist es erlaubt, alle kriegerischen Methoden des Jihads in dieser Eroberungszone gegen Nicht-Muslime anzuwenden. Legitime Mittel des Jihads sind Tötung, Ausraubung, Zerstörung des Eigentums, Entführung, Versklavung, Lüge und Vortäuschung von Toleranz. Wenn die Gelegenheit es erlaubt, sind die gläubigen Muslime im Namen Allahs autorisiert, diese Prinzipien immer und zu jeder Zeit im Hause des Krieges anzuwenden. Und die bietet sich mehr als genug auf europäischem Boden.

Demokratie nur zum Schein

Die Prognosen von Boualem Sansal sollten zu Denken geben. Denn er findet auf seine rhetorischen Fragen, was wir von den Regierungsmethoden der Islamisten, die aus dem Arabischen Frühling hervorgegangen sind denn wüssten und ob sie den Erwartungen des Volkes gerecht würden, nur diese Antwort: “Natürlich nicht – die einzige Wahl für einen Muslim ist der Islam.“, konstatiert er. „Und wenn die Demokratie ihn davon abhält, ist sie ein Verbrechen gegen den Islam.“ Aussagen, die schwerwiegend sind in Bezug auf eine Einigung Europas mit den Arabischen Mächten. Dass aber die Tradition den höchsten Stellenwert einnimmt und keinen wie auch immer gearteten Wechsel im politischen Gefüge zulässt, macht der Schriftsteller ebenfalls deutlich. „Auf der politischen Ebene werden sie der Tradition folgen, sie werden sich mit allen Mitteln an der Macht halten und nur innerhalb der Regeln des Islam einen Machtwechsel zulassen.“ Was heißen will, dass es für weder für Christen oder andere Minderheiten in der arabischen Welt jemals möglich sein wird, Einfluss auf die Regierung zu nehmen. „Auf der wirtschaftlichen Ebene werden sie den informellen Sektor fördern, den sie bereits teilweise kontrollieren. Auf den Straßen werden sie die islamistischen Moralvorstellungen durchsetzen.“ Eine Vorstellung, die jeden Europäer erschauern lässt.

Der Einfluss islamistischer Tendenzen in Syrien

Die Ereignisse in Syrien, wo ein Zusammenleben sämtlicher Religionsgemeinschaften (Christen (Assyrer, Syrer), Alawiten, Sunniten, Yeziden, Juden, Mandäer, Drusen etc.) in friedlicher Nachbarschaft bisher möglich war, zeigen deutlich, dass den konkurrierenden Kräften nicht daran gelegen ist, eine Demokratie mit allen bürgerlichen Freiheiten im Land aufzubauen, sondern vielmehr eine gezielte politische Konzertierung der gesamten arabischen Welt geplant ist, die dem Islam als Ideologie mit all seinen Varianten unterworfen ist und keine Abweichung hin zu einer freien und hinterfragenden Gesellschaft duldet. Starre Regeln einer Buchreligion mit aller Grausamkeit und Konsequenz, stehen vor Menschenrechten und westlichen Gesetzen, die niemals Gültigkeit in der muslimischen Welt erlangen werden, da diese den Verstand der Individuen gebrauchen und die vollkommene Unterwerfung unter eine veraltete Tradition des Tötens und des fragwürdigen Eigentumserwerbs ablehnen.

Issa Hanna, 2. Vorsitzender der Assyrischen Demokratischen Organisation, Sektion Europa, zeigt sich ebenfalls äußerst besorgt über die Lage in Syrien. Zerstörung und Plünderungen von Häusern und Kirchen der christlichen Bevölkerung gebe es nicht nur seitens der Regierung, sondern auch durch zahlreiche islamistische Gruppierungen. Zudem seien Christenmorde und Entführungen an der Tagesordnung, schildert Hanna die Situation. „Wenn die Christen im Nahen Osten ausgerottet werden, wäre das nicht nur ein schwerer Verlust für den orientalischen Raum, sondern für die gesamte Christenheit weltweit.“, gibt der Vorsitzende zu bedenken. Deshalb müsse der Westen sich verstärkt mit der christlichen Minderheit im Land solidarisieren.

Mit der Unterwanderung der Rebellion zukunftsorientierter Menschen durch streng shariageprägte Gruppen aus dem In- und Ausland, werden islamistische Tendenzen in Syrien weitergetragen, wie es zuvor bereits in Ägypten, in Lybien und anderen Ländern des sogenannten „Arabischen Frühlings“ praktiziert wurde. Gleich, wohin die ethnischen und religiösen Minderheiten, wie Christen (Assyrer, Syrer), Juden, Yeziden, Alawiten in andere Islamstaaten fliehen, sie werden von der grausamen Eroberungspolitik der Fundamentalisten eingeholt und weitergejagt, bis es keinen Platz mehr gibt, wo religiöse Freiheit ihren Anspruch hat.

Gehirnwäsche durch Salafisten

Sollte Boualem Sansal mit seinen Prognosen Recht behalten, ist es absehbar, dass auch der Westen nicht von diesen Einflüssen verschont bleiben wird. Die systematische Arbeitsweise der Salafisten in Europa hat bereits viele Opfer gefunden und wird auch noch weitere finden. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des „Spiegel“ vom 16. August 2012 hervor, wo sich etwa zwei Drittel der jungen Deutsch-Türken für die Koran-Verteilungsaktion aussprechen.

Zu lasch ist hier noch die Haltung der Politik gegen eine solche Gehirnwäsche durch religiöse Fanatiker des Islam, die durch ihre Werbekampagnen dem legendären „Rattenfänger von Hameln“ ähneln. Süße, vielversprechende Töne der freundlichen Koranverteiler und am Ende das böse Erwachen, aus dem es kein Zurück mehr gibt. Die Gefahr, die von dieser Seite ausgeht wird heruntergespielt und zu einer Lappalie degradiert.

Erst demokratische Wahlen, dann Brutalität und Gewalt

Fakt ist aber, dass diese Strömungen ihren Anfang in der gesamten islamisch geprägten arabischen Welt genommen haben, aus der täglich neue Schreckensmeldungen zu uns dringen. Überall, wo die salafistischen Kräfte die Macht in sogenannten „demokratischen Wahlen nach westlichem Verständnis“ erhalten haben, regieren nur noch Brutalität und Gewalt. Diese richten sich nicht nur gegen ethnische und religiöse Minderheiten, sondern auch gegen säkulare Muslime, die sich einer westlich orientierten Lebensweise ohne Unterdrückung geöffnet haben und einer Herrschaft der Moslembrüder kritisch gegenüberstehen.

Wer kritisch denkt, wird hingerichtet

Noch viel zu wenig dringt von den westlichen Medien an die Öffentlichkeit, was sich in den islamischen Staaten, in denen die Fundamentalisten an der Macht sind, tatsächlich ereignet. Kaum einer berichtet darüber, wie Menschen, die sich nicht an die strengen Regeln des Islam halten oder sich regimekritisch äußern, die ehrlichen Herzens für Demokratie und Menschenrechte eintreten, von radikalen Muslimen massakriert werden.

Die Islamisierung nimmt ihren Lauf in der arabischen Welt, wo Terror und Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten stetig ansteigen und Kritiker eliminiert werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann diese Strömung auch Europa fest im Griff haben wird.

Warnende Stimmen, wie die von Boualem Sansal und anderen Kritikern gegenüber einer gefährlichen Ideologie, die sich in der westlichen Hemisphäre zunehmend verbreitet, werden zu wenig beachtet und sind in der europäischen Gesellschaft oftmals verpönt. Doch am Ende soll sich keiner beklagen,„Wir haben von alldem nichts gewusst!“. Deutlicher konnte wohl keiner die tatsächliche Haltung der fundamentalistisch geprägten Muslime gegen Europa ausdrücken, als seinerzeit der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan selbst:

“Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.” (06.12.1997, auf einer Wahlveranstaltung, zitiert nach einem alten religiösen Gedicht von Ziya Gökalp)

Von Marianne Brückl

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