An unser Volk und die Weltöffentlichkeit!

Für eine pluralistische, säkulare und demokratische Ordnung in Syrien

In einer Zeit, in der im Nahen Osten wichtige Entwicklungen im Gange sind undAngesichts dessen, dass sich diese insbesondere in Syrien zu einem Bürgerkriegentwickeln, halten wir es für dringend geboten, uns an die Öffentlichkeit zu wenden.

Es ist undenkbar, dass wir als – Assyrer, Chaldäer, Syrische – Christen aramäischer Sprache eine Diktatur unterstützen, welche die Existenz unseres Volkes leugnet. Wie schon zuvor im Irak, hat die pan-arabische und diskriminierende Politik der Baath-Partei Syriens unser Volk jahrzehntelang seiner höchst legitimen Rechte beraubt.

Was Anfangs als friedliche und demokratische Opposition gegen die Baath-Diktatur und ihre verschiedenen “Geheimdienste” in Syrien begann, entwickelt sich mit der Zeit zunehmend zu einem von außen unterstützten bewaffneten Kampf mit stark islamistischen Tendenzen. Die Regime Katars und Saudi Arabiens, sowie der Türkei, welche selbst die Existenz unseres Volkes leugnet, versuchen mit Propaganda, Desinformation, Waffen und finanzielle Unterstützung keineswegs eine Demokratie zu etablieren, sondern zielen darauf ab, eine islamische Diktatur zu errichten. Die Herrschaft eines religiös-faschistischen, totalitären, und reaktionären Regimes, wie es von Al-Qaida, Salafisten, und Muslimbrüdern angestrebt wird, fern jeglicher religiöser Toleranz, würde ein düsteres Schicksal für unser Volk bedeuten. Darüber hinaus aber würde eine solche Entwicklung, wie sie sich jetzt bereits abzeichnet, die Existenz aller Christen im Nahen Osten bedrohen.

Um der von Islamisten, Al-Qaida, Salafisten und Muslimbruderschaft angestrebten totalitären Herrschaft entgegenzutreten, müssen wir – Assyrer, Chaldäer, syrische Christen – unsere konfessionellen und kulturellen Differenzen überwinden und eine gemeinsame unabhängige Lobby bilden. Während unserer Jahrhunderte langen tragischen Geschichte waren wir häufig Opfer von Massaker, Massenmorde bis hin zum Genozid 1915, welcher bis heute im kollektiven Gedächtnis unseres Volkes als „Seyfo“ (das „Schwert“) in unserer Erinnerung weiterlebt. Der Ruf „Allahu Akbar“ bedeutete in kriegerischen Zeiten immer auch ein Aufruf, gegen die Christen als „Ungläubige“ vorzugehen; alle Massaker und Völkermorde waren von diesem Ruf begleitet. Es ist deshalb den Christen nicht möglich, die Katastrophe, die mit den Slogans „Allahu Akbar“, „Jihad“ „Tod den Ungläubigen“, wie sie unüberhörbar (auch in den westlichen Nachrichtensendungen) in İdlib, Homs und Deyr-al-Zor skandiert werden, zu unterstützen.

Deshalb müssen wir alle Kräfte unseres Volkes einheitlich fokussieren, aber auch eine Solidarität und Gemeinsamkeit mit allen Christen der Region anstreben, um uns auf das jetzt schon vorhersehbare Desaster vorzubereiten. Unsere politischen Parteien und Organisationen haben die historische Pflicht, die erforderliche Initiative zu ergreifen, um diese Einheit zu bilden.

In diesem Zusammenhang wollen wir unsere Stimme gemeinsam erheben gegen die Propaganda in den öffentlichen Medien – vor allem in den USA und Europa – welche die reaktionären islamistischen Kräfte, die sich immer deutlicher und lauter artikulieren, unterstützen und als Garanten einer demokratische Zukunft Syriens propagandistisch verkaufen.

Wir, die Unterzeichner dieses Appells, unterstützen eine friedliche und politische Lösung im Rahmen des Annan-Friedensplans, der darauf abzielt, das Blutvergießen in Syrien sofort zu stoppen und den Flächenbrand eines schrecklichen Krieges in der Region zu verhindern.

Entschieden lehnen wir jegliche Initiativen ab, die eine bewaffnete Invasion von außen beabsichtigen oder so genannte Pufferzonen etablieren möchten.

Wir treten für eine pluralistische, säkulare und demokratische Regierung in Syrien ein, welche auch die legitimen Rechte unseres Volkes respektiert.

Unterzeichner

  1. Ibrahim Seven, Politiker, Deutschland
  2. Adnan Challma Külhan, Analyst, Holland
  3. Dr. Yusuf Güney, Psychologe, Österreich
  4. Abdulmesih BarAbraham, Dipl.-Ing. (Univ.), Deutschland
  5. Denho Özmen, Bildungsberater, Schweden
  6. Shabo Boyaci, Aktivist, Türkei
  7. Kuyo Maytab, Rechtsanwalt, Deutschland
  8. Söner Önder, Doktorand, Universität Amsterdam, Holland
  9. Abut Can, Wissenschaftlicher Referent, Deutschland
  10. Circis Simsek, Gastronom, Deutschland
  11. Kenan Araz, Soziologe, Deutschland
  12. Hanna Can Kerkinni, Ingenieur, USA
  13. Isa Acan Nahroyo, Aktivist, Deutschland
  14. Prof. Michael Abdalla, Geschichtsprofessor, Polen
  15. Ankido Bakhdi, TV Programmierer, Holland
  16. Yusuf Bahdi, Jurist, Holland
  17. Suat Arslanlar, Geschäftsmann, Holland
  18. Robert Rhawi, Geschäftsmann, Holland
  19. Adnan Can Kerkinni, Bildungsreferent, Schweden
  20. Emanuel Poli, Wirtschaftsberater, Schweden
  21. Musa Yoken, Unternehmer, Deutschland
  22. Nahro Beth-Kinne, Produzent, Belgien
  23. Nail Akçay, Aktivist, Schweden
  24. Simon Oğuz, Aktivist, Deutschland
  25. Naim Haydo, Aktivist, Schweiz
  26. Habib Rimmo, Aktivist, Schweiz
  27. Ferit Altinsu, Ingenieur, Türkei
  28. Yusuf Kürter, Aktivist, Holland

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