Interview

Chancen und Herausforderungen der Assyrer in Augsburg

Am 28. Oktober 1978 fand die Gründungsfeier des Assyrischen Mesopotamien Verein Augsburg e. V. (AMVA) statt. Durch eine effiziente und effektive Arbeit konnte sich der Verein immer weiter entwickeln. Dies zeigt sich heute auch in der Vorstandsarbeit. Kürzlich hatten wir die Gelegenheit mit dem ersten Vorsitzenden des AMVA ein Kurzinterview zu führen. Aziz Akcan geht dabei auf die künftigen Chancen und Herausforderungen ein und findet zum Abschluss treffende Worte.

bethnahrin.de: Der Verein feiert bekanntlich heuer sein 40. Jubiläum. Durch Strukturänderungen in der Vergangenheit konnte man den Verein für die Zukunft rüsten. Welche Chancen und Herausforderungen siehst du für den AMVA?

Aziz Akcan: Ja wir haben vor etwa 10 Jahren einen Generationenwechsel angefangen und strukturelle Änderungen in der Vorstandsarbeit eingeführt. Wir achten sehr darauf, dass Angebote für jegliche Altersgruppen vorhanden sind und sich diese aktiv auch beteiligen können. Das ist unser Anspruch. Daher kann ich die Frage wie folgt beantworten.
Zu den Chancen zähle ich derzeit die Nachwuchsarbeit, die nachhaltig ist und momentan funktioniert es auch, junge Leute in den einzelnen Vorständen einzubringen. Die Herausforderungen sehe ich eher finanzieller Art. Es ist ein ständiger Kampf, um unsere Aktivitäten zu finanzieren. Da sehe ich die größte Herausforderung, dass wir nicht genug finanzielle Unterstützung erhalten.

bethnahrin.de: Mitte Oktober werden die bayerischen Landtagswahlen stattfinden.
Hierbei ist auffällig, dass unter anderem das Thema der Integration immer wieder behandelt wird. Was ist für dich Integration?

Aziz Akcan: Der Begriff Integration wird meiner Meinung nach sehr inflationär verwendet. Für mich ist es so, dass ich hier angekommen bin. Ich spreche die Sprache, habe Netzwerke zu verschiedenen Organisationen, achte und respektiere die Gegebenheiten in diesem Land und empfinde, dass Deutschland mein Land ist. Ganz wichtig ist, dass man bereit ist, ein Teil dieser Gesellschaft zu sein. Ausgrenzung und Parallelgesellschaften schaden dem friedlichen Zusammenleben.

bethnahrin.de: Der Verein genießt den Ruf des Paradebeispiels gelungener Integration. Was hat der Verein denn genau in der Vergangenheit gemacht?

Aziz Akcan: Das ist eine gute Frage. Das wird immer von außen an uns getragen, dass wir ein Paradebeispiel gelungener Integration sind. Was wir seit den Anfängen gemacht haben, war stets den Kontakt zu der aufnehmenden Gesellschaft gepflegt zu haben. Wir haben uns immer als ein Bestandteil dieser Augsburger Stadtgesellschaft gesehen. Das lässt sich auch anhand vieler Beispiele dokumentieren: Nachbarschaftsfeste, Ulrichsfeste, Frühlingsfeste des Ausländer- bzw. Integrationsbeirates, Theaterprojekt (Gilgamesch, Babylon), La Strada, Plärrerumzug, etc. Diese Aufzählung lässt sich lange fortsetzen. Außerdem sind wir operativ seit 13 Jahren auch an Integrationsprojekten mit verschiedenen Trägern tätig. Hierbei können Beispiele wie LOS Oberhausen, migranet, Integrationszentrum, WAKA oder Zusa angeführt werden. Ich sehe die Herausforderung dabei, diese Aktivitäten zu pflegen und bei den vorhandenen Bedingungen aufrechtzuerhalten.

bethnahrin.de: Was wünscht du dir von den Augsburgern mit assyrischen Wurzeln in Zukunft?

Aziz Akcan: Wünsche hätte ich viele. Weiterhin die Angebote des Vereins anzunehmen und sich aktiver zu beteiligen. Abschließend möchte ich ein Punkt aber festhalten. Augsburg ist unsere Heimat, die Heimat unserer Vorfahren werden wir jedoch nicht vergessen.

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