Türkei nicht um Aufklärung bemüht

ZAVD weiter besorgt um in Syrien entführte Bischöfe

Der mutmassliche Entführer von zwei christlichen Bischöfen ist in der Türkei festge-nommen worden. Obwohl die Schuld des Mannes offenbar eindeutig feststeht, wie der untere Artikel belegt, unternimmt die türkische Regierung nichts, um ihn für dieses Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Stattdessen wird der Mann lediglich wegen anderer Straftaten angeklagt, u.a. wegen Waffenbesitzes.

Der Zentralverband der assyrischen Vereinigungen in Deutschland und europäische Sektionen/ZAVD fordert die Türkei auf, den Fall umgehend aufzuklären. Verbrecher dürfen nicht von Regierungen beschützt werden. Gräueltaten müssen geahndet werden, nicht vertuscht!

Die türkische Polizei hat nicht nach den entführten Bischöfen gefragt

Die Anklage gegen den mutmaßlichen Entführer der beiden Bischöfe, Ebu Banat, mit bürgerlichem Namen Magomed Abdurakhmanov wurde vom 22. Hohen Strafgerichtshof Istanbuls angenommen. Magomed Abdurakhmanov wird wegen Mitgliedschaft im Terrornetzwerk Al Qaida und illegalen Waffenbesitzes angeklagt. Obwohl er laut geheimdienstlichen Erkenntnissen, die in seiner Akte vermerkt wurden, die beiden Bischöfe Pavlus Yazigi und Yuhanna Ibrahim in Syrien entführt hat, sah die Polizei keine Notwendigkeit , ihn zu deren Verbleib zu befragen. In der Ausgabe vom 6. Dezember hatte die armenische Zeitung AGOS auf Basis der Informationen des assyrischen freien Journalisten Erkan Metin herausgefunden, dass Ebu Banat, der auch in andere Straftaten verwickelt ist, in einem türkischen Gefängnis festgehalten wird.

In der Akte mit der Nummer 2013/502 sind auch die im Internet veröffentlichten Aufzeichnungen über Enthauptungen durch Magomed Abdurakhmanov enthalten. Abdurakhmanov hat während der Befragung bestätigt, dass er es ist, der die auf den Videoaufzeichnungen Menschen enthauptet hat. In der Ermittlungsakte befindet sich auch ein geheimes Dokument vom 02. Juli 2013, das von der Führung der Geheimdienststelle des türkischen Auswärtigen Amtes an die Istanbuler Polizeidienststelle geschickt wurde. In diesem Schriftstück steht, dass Katibetül Muhacirun, die Gruppe von Magomed Abdurakhmanov, die Bischöfe entführt hat, anschließend in ein Dorf namens Ancura, nahe Aleppo gebracht hat, später in ein weiteres Dorf nahe Idlib Sermade Deridize.

Außerdem steht darin, dass geplant war, die Bischöfe in einem Austausch dem Assad-Regime zu übergeben. Ferner kam heraus, dass die Führung der Geheimdienststelle des türkischen Auswärtigen Amtes dieselben Informationen am 26. April 2013 an die Polizeidienststelle mitgeteilt hatte. Die Mitteilung wurde bereits vier Tage nach der Entführung der Bischöfe geschrieben. In der Akte befindet sich eine weitere Notiz über die Bischöfe, die detaillierte Informationen über die Sache liefert. Darin steht, dass der Bischof Yazigi Angst habe, weil er die Oppositionellen unterstütze und deshalb dadurch Schaden erleiden würde und aufgrund dessen habe er geplant in die Türkei zu ziehen und er reise seit Januar 2013 regelmäßig in die Türkei ein und aus. In derselben Notiz steht, dass, nachdem der Bischof Yazigi die türkische Grenze in Cilvegöz überquert hat, er gemeinsam mit dem syrisch-orthodoxen Bischof Yuhanna Ibrahim von einer an Al Kaida angeschlossenen Gruppe namens Katibetül Muhacirun entführt wurde. Auf Basis dieser Informationen werden die Inhalte des Berichts des freien Journalisten Erkan Metin vom 06. Dezember in der AGOS unter dem Titel „Ist der Mörder der Bischöfe in Istanbul?“ von staatlichen Behörden bestätigt.

„Ich habe zum ersten Mal jemanden enthauptet“

Abdurakhmanov hat auf die Fragen während des Verhörs nach der Person aus den Aufzeichnungen, die an den Enthauptungen beteiligt war, zugegeben, dass er es war. Er sagte er sei ein Emir (Kommandeur) und dass er zum ersten Mal jemanden enthauptet habe und solche Aktivitäten fast jeden Freitag in der Konfliktregion stattfänden. Abdurakhmanov erzählt, dass die Funkgeräte, die während seiner Verhaftung in Bagcilar sichergestellt wurden, von einem Agenten des türkischen Geheimdienstes namens Ebu Cafer, der gleichzeitig Mitglied seiner Gruppe ist, besorgt wurden.

In Bagcilar verhaftet

Laut Akteninformationen wurde Abdurakhmanov am 4. Juli 2013 in einer Wohnung in Bagcilar während einer Operation verhaftet. Im Betrieb der Person, bei der er gewohnt hatte, wurden 2 Handgranaten, 8 Waffenmagazine, 186 Patronen für schwere Waffen, Patronengürtel und drei schwarze Roben (Gewänder) sichergestellt, die auf den Enthauptungsvideos zu sehen waren.

Justizministerium: das ist kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die Staatsanwaltschaft wollte wegen der aufgezeichneten Enthauptungen Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einleiten und bat das Justizministerium um Erlaubnis. Das Ministerium erteilte in seiner schriftlichen Antwort vom 26. August 2013 eine Absage gegen die Untersuchungen, mit der Begründung, die Enthauptungen seien eine innere Angelegenheit von Syrien, und dass die Türkei dadurch keinen Schaden erlitten habe.

Die Türkei drückt die Augen für Verbrecher gegen die Menschlichkeit zu

Erkan Metin, freier Journalist, der die Akte gegenüber AGOS ausgewertet hat, sagt dazu: „Es wurde keine effektive Untersuchung durchgeführt.“ „Obwohl durch eigene Geheimdienstquellen bekannt, hat der türkische Staat vom Entführer der Bischöfe nur eine zweiseitige Vernehmung aufgenommen und keine einzige Frage zum Verbleib der Bischöfe gestellt. Obwohl es sehr einfach war, während der Vernehmung mehr über den Verbleib der Bischöfe zu erfahren, wurde diese Möglichkeit nicht genutzt. “Er fährt fort: „Die Akte bestätigt alle Erkenntnisse, die in meinem letzten Bericht auf AGOS veröffentlicht wurden. Die Türkei wusste unmittelbar nach der Entführung, wer die Bischöfe entführt hat und wohin sie gebracht wurden. Allerdings wurde die Wahrheit buchstäblich vertuscht.

Wir sind uns nun zu hundert Prozent sicher, dass Abdurakhmanov der Entführer der Bischöfe ist. “Metin, der das Justizministerium kritisiert, weil dieser einer Untersuchung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht zugestimmt hat, fährt fort: „Eine Zustimmung würde dazu verhelfen, dass diese weit verbreiteten Gräueltaten zukünftig verhindert und die Mörder zur Rechenschaft gezogen würden. Die Türkei drückt buchstäblich die Augen für Verbrecher gegen die Menschlichkeit zu.“

Übersetzung: Johann Roumee / ZAVD

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Quelle: AGOS

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