Assyrian Council of Europe

Erneute Angriffe auf Assyrer rücken Lobbyarbeit in den Blickpunkt

Die vor kurzem sowohl politischen als auch körperlichen Angriffe auf im Irak lebende Assyrer geben unter vielen Assyrern in Europa Anlass zur großen Sorge und lenken somit die Aufmerksamkeit auf unsere Lobbyarbeit. Afram Yakoub, Mitglied des Interessenverbandes Assyria Council of Europe, erläutert, was seine Organisation unternimmt, um die Bedingungen für die im Irak lebenden Assyrer zu verbessern.

Assyrer haben ihre zugesicherten Sitze in den regionalen Vertretungen verloren und unsere assyrische Gemeinde in Mosul ist in letzter Zeit Ziel einer massiven Säuberungskampagne gewesen. Einige Leute haben uns gefragt, was unsere professionelle Lobby unternimmt, um die Lage zu verbessern; in den vergangenen Wochen haben wir uns mit diesen beiden Fragen intensiv beschäftigt. Beide Angelegenheiten waren nicht vorherzusehen. Die Frage bezüglich der Sitze entwickelte sich zu einem politischen Coup gegen die Minderheiten und die Morde in Mosul geschahen unerwartet, da in den letzten drei bis vier Monaten einigermaßen Ruhe in die Stadt eingekehrt war. Es ist schwierig, solche akuten Lagen zu bewältigen, aber wir sind zuversichtlich, dass wir in der Lage sein werden, Verbesserungen herbeizuführen

Was die Frage der Sitze bei den regionalen Vertretungen betrifft, warten wir darauf, dass der Präsident und der Premierminister ihre Versprechen erfüllen, Artikel 50 wieder in Kraft zu setzen. Wir bereiten uns jedoch auf einen anderen Ausgang vor. Wir pflegen exzellente Beziehungen zu EU-Politikern, die das assyrische Volk unterstützen und die Verständnis für unsere Lage im Irak aufbringen; immer wieder wenden wir uns an weitere Politiker. Bezüglich der Angriffe in Mosul haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Europäische Kommission mit der assyrischen Hilfsorganisation im Irak zusammenarbeitet, um den betroffenen Familien humanitäre Hilfe zu leisten. Diese Bemühungen sind erfolgreich gewesen und diese erste gemeinsame Hilfsmaßnahme erreichte 1200 assyrische Familien. Ohne die Arbeit des Assyria Council of Europe wäre dies nicht möglich gewesen. Unterdessen bemühen wir uns um Informationen, die uns Aufschluss über die Täter geben. Einige Hinweise deuten auf einen islamischen, andere hingegen auf einen kurdischen Hintergrund hin. Es ist für uns wichtig zu wissen, welche ethnische Gruppierung für die Angriffe verantwortlich ist, um eine politische Zusammenarbeit mit ihr zu ermöglichen.

Es gibt mehrere wichtige Angelegenheiten, mit denen wir uns beschäftigen, aber zurzeit konzentrieren wir uns auf die beiden oben erwähnten. Ein weiteres dringliches Anliegen ist die Bildung einer Polizeieinheit in der Nineveh Ebene. Es ist uns gelungen, eine bedeutende Zusammenarbeit mit einer anerkannten Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Brüssel einzugehen, um die Notwendigkeit einer rechtmäßigen Polizeieinheit in der Nineveh Ebene in den Blickpunkt zu rücken. Dort wird die assyrische Bevölkerung auf ungefähr 40% der Gesamtbevölkerung geschätzt. Die Ereignisse in Mosul zeigen die Notwendigkeit einer ausreichenden Sicherheit für die dort lebenden Minderheiten.

Viele Assyrer sind wegen der Ereignisse im Irak beunruhigt und wir erhalten zahlreiche Emails and Telefonanrufe von Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren und die selber ihre Hilfe anbieten. Wir möchten jedem Assyrer versichern, dass wir Tag für Tag an verbesserten Lebensbedingungen für unsere Gemeinde im Irak arbeiten. Ferner möchten wir allen Assyrern danken, die auf die Straße gegangen sind. Dadurch wird die assyrische Frage bekannt gemacht. Man kann den Assyrern im Irak am effektivsten helfen, indem man solche Organisationen wie den Assyria Council of Europe, Assyrians Without Borders und das Iraqi Sustainable Democracy Project unterstützt. Je mehr Unterstützung wir erhalten, desto mehr können wir erreichen.

Afram Yakoub, Project Director, Assyria Council of Europe

 

 

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