Amnesty International

Zekiye Cansu zu Rookie (Neuling) des Jahres ausgezeichnet

(SCHWEDEN) Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) ernennt jedes Jahr diejenigen neuen Mitglieder, die sich besonders in ihrer Arbeit ausgezeichnet haben. In diesem Jahr wurde der Assyrerin Zekiye Cansu der Titel des Rookie of the Year vergeben. Die assyrische Zeitschrift „Hujådå“ hat sie hierzu befragt.

Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung „Best Rookie“!

Tawdi Sagi.

Wie fühlt es sich an, diese Auszeichnung zu erhalten?

Es ist großartig, und ich sehe es als eine Bestätigung für meine Arbeit.

Wie kam es dazu, dass du den Preis erhalten hast?

Dass ich als Rookie des Jahres nominiert wurde, erfuhr ich am 8. März (Internationaler Frauentag) vor dem Historischen Museum von einigen Aktivisten von Amnesty International, und ich fragte spontan, weshalb gerade ich diesen Preis erhalten sollte. Man begründete es mit meiner außerordentlichen Aktivität: dass ich in vielen anderen Amnesty International (AI) Betätigungsfeldern und Aktivitäten sowohl in der Gruppe, in der ich arbeite, als auch mit den anderen Gruppen an Treffen, Kursen etc. teilgenommen habe. Ich tue es, weil es mir Spaß macht für die Einhaltung von Menschenrechten einzustehen – dies sollte für alle gelten.

Wie begann das Engagement mit Amnesty International?

Ich arbeite für eine assyrische Gruppe, bestehend aus mir und fünf weiteren Frauen in Schweden, die die Menschenrechtsarbeit von Attiya Gamri unterstützen. Attiya wollte Ninve (Irak) besuchen und beabsichtigte jemanden von Amnesty International Schweden in ihre Reise einzubeziehen, um gemeinsam die Situation der dort lebenden Assyrer zu untersuchen. Isak Bethsimon wollte daraufhin bei einer AI-Sitzung eine Nahost-Gruppe ins Leben rufen und schlug mir vor ihn zu begleiten, sodass ich meine Frage anbringen konnte, falls jemand Interesse hatte, nach Ninve zu gehen. Es weckte mein Interesse und ich erkannte, wie viel ich für mein Volk tun kann.

Kannst du unseren Lesern ein wenig über deine Person und deine Aktivitäten bei Amnesty berichten?

Ich bin in Assyrien (Midyat) geboren und kam 1980 nach Schweden. Mittlerweile lebe ich in Stockholm und arbeite seit 22 Jahren als anerkannte biomedizinische Wissenschaftlerin am Karolinska Institut. Bei Amnesty International bin ich in der Untergruppe „Middle East Group“ aktiv und leite diese zusammen mit einem Kollegen. Die Gruppe besteht aus 13 Mitgliedern, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Wir haben in der Regel einmal im Monat ein Treffen im Sekretariat von AI in Stockholm, in der wir die Kundgebungen, Unterschriftensammlungen, Seminare oder Vorträge planen, Briefe an Gefangene verfassen und Ausstellungen, Kurse etc. vorbereiten. Im letzten Jahr lag unser Fokus auf den Unruhen in Syrien, wo wir eine Unterschriftensammlung an Assad, das Bildungsministerium und die syrische Botschaft in Stockholm geschickt haben. Wir schickten auch Briefe an politische Gefangene und ihre Familien, damit sie nicht die Hoffnung verlieren und um sie wissen zu lassen, dass jemand sich ihrer Situation bewusst ist und für ihre Gerechtigkeit kämpft.

Arbeitet ihr auch für Situation der Assyrer in Assyrien?

Es ist mein Ziel, aber ich muss sagen, dass es langsamer voranschreitet als ich mir das vorgestellt hatte. Derzeit versuchen wir vor allem die Mitarbeiter von AI über die aktuelle Lage in den Heimatländern zu berichten und sie über Umstände, unter denen die Assyrer leben, zu informieren.

Gibt es nach deinem Kenntnisstand viele Assyrer, die bei Amnesty beteiligt sind?

Ich denke, es gibt viele Mitglieder, aber der einzige Aktivist, den ich kenne, ist leider nur Isak Bethsimon, und dies ist nicht ausreichend. Mit diesem Interview hoffe ich, dass möglichst viele Menschen Kontakt zu Amnesty International oder mich aufnehmen. Sich bei AI zu engagieren benötigt nicht so viel von deiner Zeit, aber es bedeutet sehr viel für jemanden am anderen Ende.

Was sollte man deiner Meinung nach tun, damit sich die Assyrer in Schweden für diese Angelegenheiten engagieren?

Durch den Versuch, diejenigen zu ermutigen, die nicht in unseren Vereinen aktiv sind; zum Beispiel können aktive Mitglieder diejenigen passiven Personen in solche Arbeiten integrieren. Man kann versuchen, ihnen kleine Aufgaben zu geben, damit sich diese engagieren. Wir haben so viele junge Menschen, die weiterführende Schulen oder Hochschulen besuchen, und viele im mittleren Alter, die sich in Wort und Schrift auszudrücken vermögen. Es ist unsere Pflicht, dass jeder von uns in den assyrischen Fragen eingebunden wird, sonst werden wir das Ziel eines besseren „Assyrien“ nicht erreichen.

Bei welcher Aktion werden wir dich demnächst sehen können?

Am 14. April starten wir auf dem Medborgarplatsen zwischen 12.00 und 14.00 Uhr eine Kampagne für die Kinder in Syrien, dort werde auch ich dabei sein. Kommt und zeigt eure Solidarität mit dem syrischen Volk für Frieden und Demokratie!

Vielen Dank und viel Erfolg bei den weiteren Beteiligungen.

Tawdi. Ich hoffe ich kann meine Gruppe mit zur Ninvearena (Stadion der schwedischen Fußballmannschaft Assyriska FF; Anm. d. Übersetzerin) nach Södertälje nehmen, um Unterschriften für diejenigen assyrischen Personen zu sammeln, die aus politischen und/oder Gewissensgründen verhaftet wurden.

Sam Girgis
Übersetzt aus dem Schwedischen: Yildiz Cansu / Nurba Yacoub

Quelle: Hujådå

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